Himmelfahrtsritt 2005

Mittwoch, 04. Mai 2005 (Anfahrt)

Unser Himmelfahrtsritt stand dieses Jahr von Anfang an unter der Wolke des Regengottes. Da der Wetterbericht nichts Gutes vorhersagte, packten wir in letzter Sekunde unsere Gummistiefel in den schon prall gefüllten Kombi. Zwischen Schauern und kurzen Aufheiterungen luden wir Todd und Bjarni ein und fuhren gegen 13.00 Uhr Richtung Steigerwald.

Die Fahrt verlief - abgesehen von den unvermeidlichen Stockungen bei Würzburg - ereignislos, und draußen wurde es zunehmend freundlicher. Gegen 16.00 Uhr erreichten wir den Waldgasthof Zehnder und Bauer Rudi zeigte uns eine wunderschöne, von Tujabäumen gesäumte Wiese, auf der wir uns alsbald - jetzt im strahlenden Sonnenschein - häuslich einrichteten.

Da wir reichlich Equipment und genug Zeit mitgebracht hatten, konnten wir ein dreilitziges Hochsicherheits-Appartement mit zwei Abteilen errichten. So gegen 18.00 Uhr waren die Ponies untergebracht und Bauer Rudi zeigte uns unser Zimmer. In aller Ruhe tranken wir in der Gaststube ein Kühles vom Fass und harrten der Ankunft unserer Mitstreiter. Gegen 19.00 Uhr kamen Barbara und Hartmut, kurz darauf Eva und Rainer, die ihre Paddocks unter aufziehenden Wolken trockenen Fußes errichten konnten. Es fing dann langsam an zu tröpfeln.

Nach und nach trafen unter zunehmender Feuchtigkeit von oben die übrigen Reiter(Innen) ein. Als Vera mit ihrer Truppe gegen 20.30 Uhr ankam, regnete es bereits Bindfäden. Entsprechend der zunehmenden Regenstärke ließ die Qualität der aufgebauten Paddocks nach, am Ende mussten 5 Stäbe und eine Litze für 3 Ponies genügen.

Als wir dann alle - mehr oder weniger nass - in der dampfenden Gaststube beisammen saßen, ging draußen ein kleines Weltuntergangs-Gewitter nieder, was uns den nächsten 3 Tagen freudig entgegen blicken ließ. Ein echter Lichtblick war das Eintreffen unserer Führerin für die nächsten 3 Tage: Christel Velte samt Anhang, die mit ihrer netten und fröhlichen Art alle Regenwolken vergessen ließ (Zitat : "Ihr befindet euch hier in einer der trockensten Gebiete Deutschlands." ???)

Während des Essens stellte sich heraus, dass die harten Bedingungen schon ihren ersten Tribut gefordert hatten: Rotraud hatte sich in der Hektik den Daumen bös in der Heckklappe ihres Autos eingeklemmt. Zum Glück blieb dies die einzige Verletzung der ganzen Tour.

Der Himmelfahrtsritt 2005 konnte nun beginnen. Es waren dabei:

Rotraud mit Maria Bernhard mit Sofia Nicole mit Sinta
Andrea mit Saeta Hartmut mit Hrefna Uli mit Nonni
Vera mit Spurnarmerki Monika mit Skjoni Eva mit Höfdingi
Rainer mit Svertingur Uli mit Todd Martin mit Bjarni
Elisabeth mit Benjamin Eva mit Fenja Barbara mit Snörp

Uli und Martin



Die harte Nummer im Steigerwald

DONNERSTAG 05-05-05, 1. Reittag

Es fängt relativ harmlos an:
Geplanter Abritt 10 Uhr, es regnet leicht, alle sind fertig, die Ponies stampfen und scharren mit den Hufen, sie wollen los…!
Wir warten auf unsere Anführerin, Christel Velte (vom nahe gelegenen Islandpferdegestüt Frankenblick). Mindestens vier Ponies lassen schnell noch was auf die Straße fallen, was heißt: Reiter runter, Schaufel und Besen her, abäppeln, schnell wieder aufs Pferd, keiner will als letzter aufsteigen, von dem ist nämlich eine Runde Schnaps fällig!
Knapp eine Stunde später ist es dann soweit, endlich geht es mit lautem Hufeklappern und Herzklopfen los!
Die Wege sind recht schön, es gibt aber auch mal ganz neu errichtete Hindernisse/Tore, sodass wir uns pfadfindermäßig durch den Wald schlagen müssen, um einen Weg zu finden.
Die Sonne meint es gut mit uns, bei strahlendem Wetter kommen wir am Schloss Schönborn an. Dort findet zuerst eine Fotosession statt, alle Teilnehmer (bis auf die Fotografin) in Reih und Glied, danach geht es ins Jagdhaus Ilmbach. Schönes Gartenlokal mit direkt anschließender Wiese, wo wir sämtliche verfügbaren Bäume und und Anbindebalken mit unseren Ponies belegen. Gras gibt´s satt! Nachdem auch wir uns gestärkt haben, geht es mit kleinen Unterbrechungen - Pinkelpause, Hanutapause - heimwärts. Die Sonne verwöhnt uns an diesem Nachmittag so, dass sich einige einen leichten Sonnenbrand einfangen (das war aber auch schon der EINZIGE Tag, an dem diese Gefahr bestand).
Kaum daheim, fängt es leicht an zu regnen. Nachdem alle Pferde versorgt und die Reiter gesäubert sind, machen wir uns auf die Suche nach einem netten Restaurant. In Abtswind, einem kleinen putzigen Örtchen mit Kopfsteinpflaster gibt es nicht genug Platz für 18 einfallende Reiter, aber dann in Geiselwind in der "Kupferpfanne"! Wir sind gerade voll mit Essen und Abendausklingenlassen beschäftigt, kommt ein Mit-Einsteller aus Staffel hereingeschneit: "Ich wollte nur mal kurz nach euch schauen!" Drei Stunden Fahrt hat er sich dafür auf den Buckel geladen!
Müde und zufrieden geht´s dann zurück zum Gasthof, schnell noch den Ponies "Gute Nacht" sagen, etwas Heu in den Paddock und ab in´s Bett!

Freitag, 06. Mai 2005


Rehweiler, Morgens Niesel, die Frisur hält; noch. Aber egal, wir hatten ja noch genügend trockene Sachen dabei, bzw. frisch getrocknet aus dem Heizungskeller und der Rest war nicht so wichtig.

Nach einem leckeren Frühstück mit zusätzlich Tee, Eier und O-Saft ging´s dann gut gelaunt ins "Feuchte" Freie. Beim Satteln gab es dann auch noch ein Schlückchen von Rainer´s Aufbautrunk, und so stand nun einem super Tag mit der Hoffnung "heute kommt die Sonne bestimmt durch", nichts mehr im Wege.

Unser 1. Stop war ein kleines Gasthaus mitten im Wald. Die Wirtin kam sogleich mit einem großen Tablett Klarem raus, den wir uns direkt im Sattel genehmigten. Super lecker und total nett.
Und weiter ging´s mit guten Wünschen und nun doch schönem Wetter. Ob Waldboden, Schotterpisten, Asphalt oder Sand- und Wiesenwege, unsere Ponies meisterten alles mit Bravour und trugen uns schnellstens zu unserem Mittagsziel, dem "Mulicafe´".

Wow, so sauber, ordentlich und aufgeräumt sieht´s bei mit zu Haus nicht aus. Schnell die Pferde untergebracht und versorgt und ab in die gute Gaststube.
Nach Kaffee und 1 Stück selbstgemachten Kuchen bzw. mehreren Kaffee und 3 Stück Kuchen, fühlten wir uns schon so wohl in dieser gastfreundschaftlichen Gesellschaft bei Matthias und Karola Schmitt, das Rainer und Eva gleich auch schon den Himmelfahrtsritt für 2007 buchten. Matthias Schmitt, der Hausherr, zeigte uns noch den kompletten Hof.
Wir bestaunten das Sitzende Muli, das dies zwar nicht so ganz freiwillig tat, aber seine Situation sehr souverän und total cool meisterte, den Stall, die Sattelkammer, die Halle und den Rest des Hofes.

Das Mulicafe´, ein vom VfD prämierter Stall und Biohof zeichnet sich durch Gastfreundschaft, Tierliebe, Know-how und Individualismus aus und hebt ihn von anderen hervor.

Und weiter ging´s, zur Abwechslung mal im strömenden Regen zurück nach Rehweiler. Vera stoppte sehr plötzlich und kruschelte an ihrem Sattel herum. Leider um etwas nachzuziehen und nicht wie erhofft, wegen der all so beliebten "Hanuta-Pause".

Kurz besuchte uns die Sonne und erhellte die Gemüter. Doch der Donner in der Ferne wurde lauter.
Und was soll ich groß erzählen; wenige 100 m vor dem Ziel hat´s uns doch erwischt. Und wieder alles nass.

Vom Padokkboden gar nicht zu reden. Der glich eher einer Seenlandschaft als noch einer Wiese. Um unsere Pferdchen nicht in "Seepferdchen" umtaufen zu müssen , wurde kurz entschlossen umdisponiert und nach viel Mühe zogen einige der Ponys dann doch in den hauseigenen Kuhstall um. Nicht schön aber trocken. Die anderen wurden dick eingepackt und durften weiterplanschen.

Die Schuhe wurden ausgelehrt, die Klamotten ausgewrungen und nach einer schönen heiß-kalten Dusche war die Welt auch schon wieder in Ordnung und endete in geselliger Runde im Gasthaus.

Uli und Nicole

Samstag 7. Mai 2005

Nach dem Aufstehen ein Blick aus dem Fenster - und oooh es regnet, welche Überraschung. Aber nur ein bisschen. Auch nach dem Frühstück, bei dem fast alle pünktlich erschienen sind, regnete es nur ganz ganz ganz wenig. Rainer und Eva entschlossen sich, zu Hause zu bleiben, weil Svertingur total nervös und einfach nicht fit war. Also sattelten wir anderen, schließlich hatten wir ja wasserdichte Kleidung. Dachten wir. Unser Weg führte uns über Wiesenwege nach Geiselwind, vorbei an McDonalds direkt durch den Ort. Gleich auf der anderen Straßenseite gab es einen kurzen Stop mit einem ganz leckeren Likör. So gestärkt erklommen wir die Höhe, wo Barbaras Verwandte mit Ihren Westernpferden auf uns warteten um sich uns anzuschließen. Aber eines der Pferde war noch jung und mit der geballten Isländerpräsenz überfordert. So trennten sich unsere Wege recht schnell wieder. Überall gab es schöne und sehr gepflegte Offenstallanlagen. Traumhaft. Bei einer kurzen Pause vermissten wir Eva mit Ihren Hanutas doch schon sehr. Dann ein kurzer Galopp der Endgruppe und Sophia hatte einen Rempler abbekommen. So ein Pech, sie lahmte erst mal. Bernhard stieg ab und ging den Rest des Weges zu Fuß. Und zwar ganz steil bergauf, über Treppen und Stufen, die sowohl unsere braven Ponies als auch Bernhard ohne Mühe meisterten. Manch ein Reiter wunderte sich da sicher. Oben angekommen, bekam Bernhard Applaus für seine Leistung. Er war fast gar nicht außer Atem. Nur noch ein kurzer Weg und wir erreichten die Old Mountain Ranch in Schlüssenfeld. Dort konnten wir unsere Pferde in Paddocks unterbringen und wir durften uns in der Gaststube aufwärmen, mit Blick auf die Reithalle. Nach einem wirklich leckeren Essen nahmen wir den Rückweg in Angriff. Sophia sollte mit dem Hänger fahren, aber dann entschied Rotraud, dass sie auch als Handpferd mitgehen kann. So machten wir uns auf den Weg, am Himmel dunkle Wolken. Wir unterquerten die A3 und dann fing es richtig an zu regnen. Und es war windig. Gott sei Dank erreichten wir bald den Wald. Dort verloren wir leider unsere Führungsgruppe, die ob des hohen Tempos einen kleinen Abzweig nicht gesehen hatten. Christel führte uns den richtigen Weg und aus dem dunklen Forst ertönten Stimmen. Wir antworteten brav und ritten weiter. Aber keine Spur von den Verlorenen. Auch keine Rufe mehr, wo war der Rest? Nachdem wir langsam durchzuweichen drohten, machte sich Christel daran, die Verlorenen einzusammeln. Und kaum hatte sie sie gefunden, preschten sie auch schon wieder an uns vorbei. Es folgte eine lange Trabstrecke, in deren Verlauf Christel uns ein Gläschen Sekt für den Abend sicherte. Der folgende Weg war eine wirkliche Herausforderung, die Hrefna mutig annahm. Leider versank sie bis zum Bauch in der Pampe und bremste ihr Tempo mit dem Gesicht ab. Hartmut hat sich tapfer gehalten was ihn davor bewahrt hat, sich seinem Pferd farblich anzupassen. Und es regnete. Wir bewunderten Christels Junghengste auf der Weide und näherten uns wieder Geiselwind. Und als ob wir noch nicht nass genug gewesen wären, fing es jetzt an zu stürmen und zu hageln. Und die regendichte Kleidung war gar nicht dicht. Es ging über den LKW-Waschplatz den wir aber nicht benötigten, wir waren nämlich schon nass. So schnell es ging strebten wir dem Stall zu. So schnell waren sicher noch nie 12 Menschen unter der heißen Dusche, natürlich nicht, ohne die Pferde ordentlich versorgt zu haben. Moral dieses Tages - Wenn Rainer und Eva zu Hause bleiben - sollte man überlegen, ob man wirklich sein Pony sattelt.

Christel und Sabine waren dann noch so freundlich, uns ihre schönen Pferde und den gepflegten Hof zu zeigen. Besonders das neugeborene Fohlen begeisterte uns, so ein hübsches Stütchen mit beeindruckenden Wimpern.

Den Abend verbrachten wir dann im Weingut Behringer. Rainer war ganz angetan von der schönen Musik, besonders "Komm unter meine Decke" hat ihn total begeistert. Eva wollte eine Butterfahrt mit uns machen, falls es mit dem Reiten nicht mehr klappt. Ebenfalls der Musik wegen. Wir ziehen es aber glaube ich weiterhin vor, zu reiten, selbst wenn es regnet (der Musik wegen). Und wer zur Toilette wollte, musste sich im Wiegeschritt über die Tanzfläche bewegen (ja richtig, der Musik wegen) und dabei aufpassen, dass kein starrsinniger Alter ihn hinderte, diese wieder zu verlassen.

Sorgen machten uns auch die Hänger, die ja langsam in der Matsche zu versinken drohten. Christel schlug vor, wir sollten auf jeden Fall kurze Hosen und Gummistiefel zum Rausschieben tragen, das würde die Bauern zum Anhalten und Mithelfen bewegen (hat sie unsere Beine schon mal gesehen?) Da aber keiner kurze Hosen eingepackt hatte, schied diese Möglichkeit aus. Pferde vorspannen war auch eine gute Idee. Die Pferde hatte aber keiner gefragt. Und der Herr Rudi hatte keinen Kugelkopf an der Ackerschiene, Bernhard hatte seinen zu Hause vergessen, so ein Pech. Jedenfalls hat Christel sich wirklich ganz viele Gedanken um uns gemacht und dafür bedanken wir uns ganz herzlich.

Andrea + Rotraud

Sonntag 8. Mai 2005

Es ist Sonntagmorgen. Ich sitze beim Frühstück im Gasthaus. Nein, natürlich nicht alleine...Der Rest des Himmelfahrtkommandos, äh Rittes ist auch da. Und über uns allen schwebt ein Damoklesschwert!!! Die Pferdeanhänger müssen aus dem Schlamm gezogen werden...Ich bin fieberhaft am überlegen welches Schuhwerk ich wohl tragen werde. Ich hab schon nachgesehen, in meinen Schuhen steht noch etwa ein cm Wasser. Plötzlich, nach der ersten Tasse Kaffee öffnet sich die Tür zum Frühstücksraum. Der Wirt kommt rein und bringt eine für uns alle erlösende Nachricht.: "Ein Herr Velte kommt mit dem Trecker vorbei und zieht die Hänger raus! "Irgendwie sind alle recht schnell mit dem frühstücken fertig und draußen. Außer mir! Ich hab noch eine Tasse Kaffee, und noch eine, und noch ein Brötchen, noch `nen O- Saft. (wer weiß wann ich mal wieder sooo gemütlich frühstücken kann). Aber jetzt nix wie raus und helfen. Da seh` ich grad noch den Trecker um die Ecke biegen und weg war er.

An dieser Stelle ein gaaaaanz dickes Dankeschön an Herrn Velte!!!

Tja, das Wetter war trocken und kalt, ideal zum Reiten. Aber alleine mag ich auch nicht, weil keiner mehr Lust hat. Jetzt wollen alle nur noch nach Hause. Kann ich gar nicht verstehen, es war doch so ein schöner Wanderritt. War es doch mein erster Himmelfahrtsritt. So eine Art Feuertaufe.
Ich hatte jedenfalls einen Riesenspaß!!!

Denke mal alle anderen auch?


Moni Gast