Durchs Odenwälder Hochland oder ich will nicht der Letzte sein

   
Am Sonntag, den 05.03.17, traf pünktlich der bestellte Vorfrühling mit blauem Himmel, Wattewolken und Sonnenschein in Dorndiel ein. Beim Satteln um 10 Uhr war die Sonne noch etwas versteckt, doch im Laufe des Tages klarte es dank einer frischen Brise zusehends auf. Dies bescherte uns 12 Reitern einen traumhaften Frühlingsritt – naja, eigentlich einen verspäteten Winterritt – und die Ponies waren entsprechend gut drauf. Nach einer herzlichen Begrüßung durch Rotraud ritten 3 Gäste und 9 Vereinsmitglieder gut gelaunt los. Zunächst erklommen wir den Dorndieler Mittelberg, querten die Landstraße und verschwanden in den Wald Richtung Radheim. So wurden wir nach kurzer Zeit mit dem ersten Panoramablick zur Radheimer Steige belohnt. Die Isis marschierten mittlerweile alle entspannt daher, so dass wir mit den Übungselementen beginnen konnten. Für mein Pferd begann da schon die erste Schwierigkeit: Tempo drosseln, Abteilung gehen, vor und hinter uns fremde Pferde. So weit, so gut.  Dann sollte der Tetenreiter im Schritt abwenden und zum Ende aufschließen. Als nächstes wurde der Slalom um die Abteilung eingebaut, was meine Stute dann ganz verwirrte. Wahrscheinlich hat sie gedacht: Hä, warum reiten wir jetzt schon wieder zum Stall zurück? Ach, doch nicht? Wie jetzt, auch noch zick zack? Danach sollte der letzte Reiter an der Abteilung vorbeitölten, was die aufgeregtere Pferdefraktion doch ziemlich in Wallung versetzte, so dass wir den Galopp auf später verlegten. War man nicht mit Pferd beruhigen und lenken beschäftigt, konnte man gut mit den netten Mitreitern klönen, den lichten Mischwald genießen, die fein geschotterten Wege mit Grasmittelstreifen, einen abstreifenden Habicht sehen, hier und da mal einen Nordic Walker, Radler oder Spaziergänger mit Kindern treffen, die die Isis natürlich süß fanden. Der Waldweg stieg weiter bergauf, so dass wir die Pferde wieder gut auf die nächste Aufgabe konzentrieren konnten: im Schritt durch die Reiter-Gasse reiten. Danach wollte es Rotraud wirklich von uns allen wissen und forderte auch noch den Galopp an der Abteilung vorbei. Da wir alle willige Schüler mit einigermaßen willigen Islandpferden waren, gelang uns dies recht gut und wir hatten keine Verluste zu beklagen – alle vollzählig, keiner ist nach Hause galoppiert oder ge-renn-passt. So erreichten wir die Radheimer Windräder im Schritt und konnten die Isis nochmal beschäftigen mit einer „wir reiten kreuz und quer durcheinander auf 2 Pfädchen“-Übung. Dies machte meinem Pferd richtig Spaß und entspannte sie sehr. Tindra entdeckte noch einen Wassergraben für Fortgeschrittene – mit Tarnbinsen. Anna konnte sie dennoch zum Weitergehen überzeugen. So gelangten wir zu unserem Mittagsrastplatz, der sich auch am Binselberg befand. Dort wurden wir nach 1,5 Stunden Reitzeit von unserem Catering-Team Andreas mit Lukas und den radelnden Helfern Michael und meiner Tochter Alrun erwartet. Alles war bestens hergerichtet zum Wohlfühlen. Die Isis konnten abgesattelt und zum Wälzen auf einen mobilen Paddock gestellt werden, Modell Hochlandritt – man nehme eine Kordel und spanne sie um alle Bäume und Spielplatzgeräte. Für die Reiter gab es in der Grillhütte Kakao mit Rumkandis und Sahne, Kaffee und Kekse, Bio-Apfelsaft, Wasser, Tee, Käsewürfel, Mettwürstchen sowie frische Laugenbrezeln und Laugenkäsestangen. So konnten wir von der Mittagssonne herrlich gewärmt auf der Bank sitzend schön müde werden und den Pferden beim Grasen und Zweige knabbern zuschauen. Als Jux wurde nach der Pause noch eine Trailübung auf dem Abenteuerspielplatz eingebaut: Kleeblattslalom, unter der Schaukel herreiten, einen dicken Baumstamm übersteigen oder –springen sowie mit dem Pferd nebendran rutschen, ohne die Zügel loszulassen. Besonders die letzte Übung sorgte für ausgelassene Stimmung und wurde trocken kommentiert von unserem „Turnierkommentator“ Andreas, der z.B. meinte „Hey, deine Verrenkung hat dir gerade 1000 Likes im Internet beschert.“ Rotraud, wie immer sehr geduldig und kinderlieb,  ließ kurzerhand unsere Nachwuchskids Lukas und Alrun den Trail auf Bjartur und Mária mitreiten. So kam keiner zu kurz und wir reitenden Mütter, Iris und ich, mussten auch kein schlechtes Gewissen haben. 

Gut gestärkt, bestens gelaunt und mit frisch vorwärts gehenden Pferden ritten wir ab. Vom Binselberg bot sich ein grandioser Fernblick auf Otzberg und Taunus. Michael und Alrun radelten winkend an uns vorbei auf dem kürzesten Heimweg gen Dorndiel. Wir verschwanden wieder im Busch. Da die Pferde zunehmend quengeliger wurden, entschieden wir uns für einen flotten Gruppentölt auf den weich geschotterten Wegen am Rödelhäuschen entlang. Als ich mein Pferd durchparieren wollte, war sie wenig begeistert. Wahrscheinlich war mein Pferd mental noch beim Refrain von „Ridum, ridum“: denn ich will nicht der Letzte sein. Als wir auf die alte, römische Heerstraße abbogen, mussten wir als letzte Übung nochmal die Gasse bilden und im Trab durchreiten. Dafür müssen die Pferde wirklich ruhig stehen und gut den verwahrenden Schenkel annehmen, wenn sich plötzlich von hinten das Hufgetrappel nähert. Auf die einhändige Zügelführung, um mit der inneren Hand die Gerte hochzuhalten, verzichtete ich lieber. Snaefi war mittelschwer hibbelig. Wie gut, dass die ganze Gruppe mit fremden, aufgeregten Pferden so gut umgehen konnte. Dann erreichten wir auch schon den Höhenzug oberhalb von Dorndiel und wurden mit einem wunderschönen Fernblick in den fränkischen Odenwald belohnt. Wir ritten einen letzten, weichen Erdweg bergab zu Rotrauds Winterkoppel, wo wir von den Jährlingen begeistert begrüßt wurden. Der Ritt endete somit gegen 15 Uhr so gut gelaunt wie er begonnen hatte. 

Vielen Dank an Rotraud und Iris für die Organisation des tollen Rittes und an das Helfer-Team Andreas, Lukas, Michael und Alrun für die Verpflegung und den Paddockbau!

Bis hoffentlich bald mal wieder
Vanessa und „Nervensäge“ Snaefi

 

Mitgeritten sind: Mayla mit Soffía, Rebekka mit Hríma, Christina mit Mósa, Heike mit Seifur, Bernhard mit Fnor, Rotraud mit Mária, Anna mit Tindra, Sue mit Gandalf, Iris mit Bjartur,  Anna K., mit Arvakur,  Nina mit Kátina, Vanessa mit Snaefi.