Sommerlochritt 2016

Samstag Vormittag (2.7.)

Pünktlich um zwanzig vor zehn startet eine bunte Truppe von acht Reiterinnen und Reitern mit ihren Pferden vom Fasanenhof in Staffel.  Es nehmen teil Martin mit Ividia, Uli mit Toni, Moni mit Haufetti, Tanja mit Lolo, Anja mit Neip, Kathrin mit Artes, Sven mit Snotur und Vera mit Solfari.
 Als allererstes ist ein steiler, steiniger Hang zu absolvieren hoch zur Kuralpe (dem ‚eigentlichen‘ Startpunkt), wo noch eine weitere Mitreiterin, Dagmar mit Hjalti, zu uns stößt.
 Martin, unser "Navigator" bedient souverän seine elektronisches Navigationsgerät und lotst uns durch die schöne, aber recht hügelige Landschaft des Odenwalds. Es geht erst einmal viel bergauf und nach etwa einer Stunde erreichen wir mit den sehr munteren Pferden die Gaststätte Borstein.
Leider hat bereits kurz nach dem Abritt Regen eingesetzt, der uns bis weit in den Nachmittag hinein begleiten wird. Deshalb tragen alle ihre Regenmontur mit Reitmänteln oder Jacken und Regenhosen. Trotzdem eine ungemütliche Angelegenheit und in den Reitpausen gilt es, mit Plastiktüten die Sättel vor allzu viel Nässe zu schützen.
Nach ca. einer weiteren Stunde kommen wir an einen sehr steilen Hang, den wir hinunter müssen. Alle Reiter und Reiterinnen entscheiden sich dafür, abzusteigen und ihre Pferde zu führen. Solfari, mein zehnjähriger Isländer, hat so etwas noch nie gemacht und ist ziemlich unsicher. An einer Stelle, an der viele größere Äste im Weg liegen, stolpert er, stößt dabei gegen mich und ich falle recht ungünstig in den Hang. Zum Glück ist mir nichts weiter passiert und mit Hilfe einer Mitreiterin bin ich recht schnell wieder auf den Füßen.  Auch andere Mitstreiter haben an dieser steilen Stelle Probleme, doch es gibt nach Auskunft von Martin wohl keine Alternative.
Nach einer Weile sind aber alle Pferde und ihre Reiter wohlbehalten unten angekommen und wir können unseren Ritt fortsetzen.
Gegen Mittag und nach flottem Ritt mit schönen, langen Tölt Reprisen, erreichen wir  den Röderhof, wo wir uns zu längerer Pause und einem Mittagessen mit Suppe und Brot und Kuchen als Nachtisch niederlassen. Angesichts des Wetters entscheiden wir uns, statt draußen lieber drinnen zu sitzen und tragen schnell gemeinsam das Besteck und die Teller nach drinnen ins Trockene.
Der Hof liegt sehr idyllisch in Alleinlage inmitten eines kleinen Tales und ist  von Koppeln mit Obst-bäumen umgeben. Etwas ganz Besonderes ist der Steinofen, in dem dort Brot gebacken wird.
Die Ponys sind wahlweise an Bäumen angebunden oder laufen frei auf einer Koppel, wo es dann aber etwas Reiberei mit dem älteren Pferd gibt, das diese Koppel dauerhaft bewohnt.
Nach zwei Stunden setzen wir gestärkt unseren Ritt fort. Leider hält sich der Dauerregen hartnäckig, was der Lauffreude der Pferde jedoch keinen Abbruch tut.
Verfasst von Vera & Sven


Samstag Nachmittag (2.7.)

Nachdem die Suppe, Würstchen, Kuchen und Kaffee, frischer Minztee und kalte Getränke unseren Hunger und Durst gestillt hatten, widmeten wir uns wieder verstärkt unseren Pferden, nach denen wir während des Essens abwechselnd geschaut hatten.
Unsere 3 Stuten hatten wir bei unserer Ankunft auf die Weide zu einem alten Großpferd stellen dürfen. Die Besitzerin der Stute hatte uns direkt auf die Weide zu ihrer sehr verträglichen, alten Stute geführt. Die Stute hatte in einem von Bäumen beschatteten Eck der Weide gestanden und sich unauffällig benommen. Also hatten wir unsere Isländerstuten dort auf der Weide zum Grasen und Ausruhen laufen lassen.
Ich kann aus Erfahrung sprechen: jeder Reiter und Pferdebesitzer hat in seiner Wahrnehmung einen blinden Fleck, wenn es um die Einschätzung des eigenen Pferdes geht. Ich zum Beispiel denke immer mal wieder, dass mein Pferd krank sein muss oder Schmerzen leidet, weil sie zögerlich beim Reiten ist oder den Abhang von der Weide nur sehr langsam und vorsichtig hinabsteigt.  Andere müssen mich dann darauf aufmerksam machen,  das mein Pferdchen ein gewieftes Wesen ist, das sich dem Arbeiten nicht automatisch enthusiastisch hingibt, was ich dann falsch interpretiere und sich bei mir der Eindruck einschleicht, das Pferd wäre leidend.
So wahrnehmungsverzerrt muss auch die Einschätzung der Besitzerin des gutmütigen, alten, sehr verträglichen Großpferdes gewesen sein. Unsere 3 Stuten bekamen nicht wirklich Erholungszeit auf der Weide. Mindestens ein Pferd auf der Weide quietschte immer und es war ständig Bewegung auf der Weide. Also beschlossen wir unsere Stuten von der Weide zu holen, damit sie die restliche Pause zur Ruhe kommen könnten. Wie aber bekommt man zu zweit 3 Stuten von einer am Tor mit Bändern verknoteten Weide, die direkt auf die Weide unserer Isländer-Wallache mündete?
Eingefangen waren unsere Stuten schnell, allerdings wurde die umgängliche, alte Stute zu einem schier nicht abzuschüttelnden Schatten. So entwickelte sich ein Mehrfrontenkampf: die Großpferdestute von hinten, die sich nicht vertreiben ließ, die Isländer-Wallache, die dem Spektakel auf der angerenzenden Weide aus nächster Nähe beiwohnen wollten, die Bänder an dem Weidenübergang, die sich nicht lösen lassen wollten. Dann endlich waren die Bänder gelöst und lagen in einem ansehnlichen Knäul am Boden. Also zerrte einer von uns schnell die Stuten durch den Weidendurchgang und weiter durch das Tor der Wallachweide auf den Weg, während ein anderer versucht die Bänder wieder so am Weidendurchgang zu befestigen, das Großpferdestute und Wallache voneinander getrennt sind. Plötzlich waren nicht mehr unsere Stuten im Fokus der Befreiungsaktion, sondern die Wallache rückten von ihrem Beobachtungsposten in einem Sturmangriff über die Bänder auf die Weide der umgänglichen, schattengleichen Stute vor, die voller Entzücken über so viel Männergesellschaft ihre umgänglichen, alten Knochen liebestoll bockend in die Höhe warf und rosste. Nicht nur wir erlitten eine Nervenattacke, auch die Wallache traten auf der Stelle einen geordneten, strategischen Rückzug auf ihre eigene Weide an. So schnell hat noch niemand von uns je Bänder zwischen zwei Stäben verspannt. In spinnennetzartiger Knüpftechnik wurde das Tor wie Fort Knox gesichert, damit das verträgliche alte Pferd ja nicht mehr an unsere Pferde herankommt.
So lernte ich in meiner 2. Wanderreitpause, das man sich nicht auf die Einschätzung fremder Pferdebesitzer verlässt und man die eigenen Pferde nicht zu fremden Pferden dazustellt. Seien sie auch noch so alt, nett und verträglich. Weiter lernte ich, dass man Pferde in Ermangelung von ausreichenden Anbindegelegenheiten zum Regenerieren in die Bäume hängt. Sprich jedes Pferd wird an einen hohen Ast an einen eigenen Baum gebunden und dann verstehen sie recht schnell, das es Zeit ist, sich auszuruhen und Kräfte zu tanken.
Nachdem unsere Pferde geruht hatten und wir ausreichend erholt und ein bisschen abgetrocknet waren, sattelten wir unsere Pferde, um die nächste Etappe anzugehen bzw. anzureiten.
Durch das idyllische Dörfchen ging es mit Blick auf die Odenwaldschule weiter durch Wiesen und Wälder. Wunderbare Wege machten die Nässe durch den ständigen Regen erträglich. Ebenso wie die Freude über unsere fleißigen Pferdchen, die entgegen der Befürchtungen der absoluten Wanderreitamateure unter uns, keinen körperlichen Zusammenbruch erlitten haben. Schrittstrecken wechselten sich mit Töltstrecken ab und zwischendurch ging es auch mal auf kaum erkennbaren Wegen querwaldein. Die Stille wurde nur durch klappernde Hufen, Schnauben, einer Ansage zur Verständigung oder leise Gespräche von Pferd zu Pferd bzw. von Reiter zu Reiter, dem Knarzen von Leder und dem immer wiederkehrenden Warnruf, wenn es eine Schnecke am Boden zu umreiten galt, unterbrochen.
Kurz vor unserer letzten Rast mussten wir eine vielbefahrene Straße überqueren. In breiter Front schwenkten wir im zügigen Tempo auf die Straße ein und schon waren wir auf der anderen Straßenseite und kurz darauf ritten wir bei der Gaststätte "Zum Steigkopf" ein. Hier gab es die Möglichkeit etwas zu trinken und unsere Pferde belagerten den Anbindebalken und den Spielplatz.
Für unser letztes Wegesstück ritten wir in den Kreiswald ein. Auch hier gab es wunderschöne Wege, die dazu einluden, die Seele baumeln und das Pferdchen tölten zu lassen. Letztlich befanden wir uns auf einer Höhe, die uns einen wunderbaren Blick über das Weschnitztal beschwerte. Bergab, eingequetscht zwischen Bäumen, Sträuchern, Brombeerranken und einem Weidezaun ging es über einen Teil des Obstlehrpfades nach Albersbach. Mit lautem Hufgeklappere sind wir gemeinsam wohlbehalten im Heuhotel „Ins Scholze“ eingeritten.
Die Pferde wurden abgesattelt, die Hufe und die Lage des Fells überprüft und dann durften die Pferde auf die abgesteckten Paddocks mit hohem, saftigem grünem Gras. Ich meine ein begeistertes Funkeln in den Augen der Pferde gesehen zu haben…
Auch wir haben unsere Unterkunft für die Nacht bezogen. Wir hatten ein 5 Bettzimmer, in dem Kathrin in luftiger Höhe die Nacht ohne wirkliche Sicherung verbringen konnte. Zum Glück lag sie morgens immer noch in ihrem Storchennestartigem Bett und war nicht abgestürzt. So fest wie sie im Sattel sitzt, so fest verwurzelt hat sie in ihrem Bett gelegen. Vielen Dank Kathrin, das Du uns restlichen 4 Angsthasen die Nacht im Gruselhochbett erspart hast!
Uli und Martin gebührte als Wanderreitführer ein 2-Bett-Zimmer. Vera und Sven durften den Schäferwagen auf der Anhöhe beziehen.
Nachdem wir uns unter den Duschen wieder in einen passablen Zustand versetzt hatten, saßen wir draußen und Sven grillte uns vom Gastgeber vorbereitete Steaks und Würstchen. Dazu gab es Salate und Brot und wir haben es uns ordentlich schmecken lassen.
Der Abend klang dann vor Svens Handy aus. Hier verfolgten die Fußballfans unter uns dem EM-Spiel Deutschland gegen Wales. Am Tisch 2 Meter weiter schaute eine Frauengruppe auf einem Laptop ebenfalls das Spiel – mit 3 Minuten Verzögerung, dafür aber in einer Größe, die die Spieler nicht wie Ameisen aussehen ließ.
Einige von uns haben das Ende des Spiels im Bett liegend anhand von Monis Jubelgesängen und Nervenzusammenbrüchen in der unteren Aufenthaltsraumebene erlebt. So konnten wir uns lebhaft vorstellen, was gerade auf dem Spielfeld passiert. Letztlich haben wir trotz gewisser Geräuschkulisse durch die anderen Heuhotelgäste wie Steine geschlafen. So das unsere abschließende Empfehlung ist: Hast Du Schlafprobleme? Einschlaf- und Durchschlafstörungen? Dann gehe auf einen Wanderritt und Du bist für mindestens eine Nacht geheilt!
Verfasst von Anja & Tanja


Sonntag Vormittag (3.7.)

Als wir alle noch gemütlich schlafend in unseren Betten lagen, hat sich Anja um 6.00 Uhr morgens aus dem Bett gequält und nach den Ponies geschaut. So leise, dass wir es gar nicht bemerkt haben. Das ist vorbildliches Horsewomanship - Super! So waren wir – als wir endlich um 7.45 Uhr aufgestanden sind – beruhigt, dass es den Ponies gut ging.
Um 8.00 Uhr haben wir alle gemeinsam unsere Ponies gefüttert, danach setzten wir uns zum gemütlichen Frühstück an den großen Tisch in dem sehr geschmackvoll eingerichteten Gastraum. Das Frühstücksbuffet ließ fast keine Wünsche offen, wir alle haben sicherlich mehr gefrühstückt als sonst zu Hause.
Nach dem Frühstück hieß es dann alles zusammen packen und Gepäck und Sättel nach unten zu den Pferden zu schleppen. So kurz vor 11.00 Uhr saßen wir dann glücklich alle auf unseren Ponies, die nette Wirtsfrau machte mit Monis Handy noch ein paar Gruppenbilder von uns allen.
Mit viel Elan waren unsere Ponies heute wieder dabei, und den brauchten sie auch, denn es ging gleich lange und mächtig den Berg hinauf.  Beim Abritt hatte es ein wenig getröpfelt und Martin schaute nach dem Wetterbericht: Da stand „starker Regen“. Doch oben auf dem ersten Berg angekommen war es noch immer trocken und angenehmes Wetter. Im Wald kam dann gleich die erste schöne Töltstrecke – wunderbar, wie locker flockig die Ponies nach Hause tölteten. Das machte Spaß – ein dreifach Hoch auf unsere Isländer.
Gefühlt in der Hälfte der Zeit des Hinwegs von gestern waren wir auch schon am ersten Rastplatz (Zum Steigkopf) angekommen. Die Ponies durften ein wenig grasen, die Reiter gönnten sich ein Getränk, und nachdem alles gemütlich erledigt war, machten wir uns auf den Weg zum Röderhof.
Über Asphalt und Schotter führte ich meinen Hjalti runter bis zur Straße, die wir überqueren mussten.  Heute war schon deutlich mehr Ausflugsverkehr als gestern bei Regen. Doch über die Bundesstraße ging es zügig im Tölt, wir hatten mal wieder eine große Lücke erwischt. Die Strecke war landschaftlich wunderschön, wir genossen herrliche Blicke über den Odenwald. Vorbei an der berühmt-berüchtigten Odenwaldschule erreichten wir gegen 13 Uhr – eine Stunde zu früh – den Röderhof in Ober-Hambach. Ohne Regen – mit etwas Sonne – war es hier heute deutlich schöner. Die Ponies wurden einzeln an die Bäume gebunden und sollten ausruhen. Wir setzten uns ins Freie und warteten auf das Essen.
Verfasst von Dagmar & Uli


Sonntag Nachmittag (3.7.)

Gut gelaunt kamen wir in Ober-Hambach auf dem gastfreundlichen „Röderhof“ an. Dort „hängten“ wir unsere Pferde erstmal an die Bäume. Anschließend bekamen wir wieder ein leckeres Odenwälder Essen (Kartoffelsalat, Frikadellen mit frischem Brot). Diesmal unter freiem Himmel, gut beschirmt bei gutem Wetter am liebevoll gedeckten Tisch.
Nach dem Essen gab es noch Kaffee und Tee und dann ging es weiter.
Nach einem flotten Tölt (… wie eigentlich jeder) kam der abenteuerlichste Teil der Tour; eine Kletterpartie (gefühlte 80° Steigung) quer durch den Wald bergauf.
Noch bevor wir Zeit hatten, von den Pferden zu springen, kletterten die ersten Pferde bereits den Hang hoch. Nachdem dann alle – Augen zu und durch – oben angekommen waren, machten wir eine kurze Verschnaufpause für Pferde und Reiter. Wir waren alle sehr stolz auf unsere kletterstarken und trittsicheren Isländer, die uns heil nach oben gebracht hatten. Nach der kurzen Pause ging unser Ritt munter weiter und bald kamen wir am „Borstein“ an. Dort machten wir unsere letzte Rast; die Pferde waren durstig und ihre Reiter auch. Alle bekamen etwas zu trinken.
Frisch erholt ging es auf die letzte Etappe. Unseren letzten Tölt hatten wir auf der den Pferden gut bekannten Strecke zur „Kuralpe“. Dort angekommen verabschiedeten wir Dagmar (mit Ramazotti) und Hjalti, der dort brav in seinen Hänger kletterte.
Das letzte Stückchen zum Hof war auch schnell noch geschafft. Wir versorgten die Pferde und dann gab es zum allerletzten Mal einen Abschluss-Ramazotti. Unsere Pferde wurden von ihren Kumpels auf der Koppel freudig begrüßt und wir verabschiedeten uns noch von Vera und Sven.
Fazit: Wir haben einen tollen abwechslungsreichen Wanderritt erlebt und bedanken uns ganz herzlich bei den Organisatoren Uli und Martin. Uns, als Wanderritt-Neulingen aus Staffel hat es einen Riesenspaß gemacht und wir sind jederzeit gerne wieder auf Ulis & Martins Wanderritten dabei.
Verfasst von Kathrin & Moni