Himmelfahrtsritt 2016

Donnerstag, 05. Mai 2016

Nachdem wir die erste Nacht in unserer kleinen, aber gemütlichen Pension verbracht hatten – die ein oder andere hat tatsächlich geschnarcht – führte uns ein kleiner Pfad vorbei an den Wiesen und Weiden zu unseren Pferden. Das Gras war nach einer kalten Nacht noch von Raureif überzogen und es war auch noch sehr frisch an diesem Tag, aber: Blauer Himmel und Sonne. Auf dem Hof von Christoph und Christine angekommen, versorgten wir unsere Pferde mit Kraftfutter. Danach ging es zurück in unsere Auberge, wo uns ein ausgiebiges Frühstück erwartete: Orangensaft, Kaffee, Tee und Milch, Brötchen und süßes Brot, Wurst, Käse, Schinken, Ei, Joghurt und Müsli sowie Marmelade. Wir mussten lediglich zugreifen und genießen. Nachdem wir uns so gestärkt hatten, ging es auf unseren ersten Ritt, ein Halbtagesritt zum Kennenlernen und Eingewöhnen. Die Pferde waren anfangs nervös und aufgeregt und gingen gut vorwärts! Christophe führte uns auf herrliche Waldwege, die zu einer flotteren Gangart geradezu einluden, so dass wir bereits nach wenigen Metern im Wald unseren ersten Tölt beginnen konnten. Nachdem der erste Dampf erst mal draußen war, wie es Gitta treffend formuliert hat, gingen die Pferde deutlich entspannter. So konnten wir den Wald und die Felsenlandschaft genießen: Hier in den Nordvogesen ragen rote Sandsteinfelsen aus den Baumwipfeln des Waldes hervor und wie im Odenwald trifft man hier auf die Helden der Nibelungensage Hagen, Siegfried und Walther, um die sich Erzählungen und Legenden ranken. Der Waldboden besteht im Elsass aus weichem, roten Sand und immer wieder forderte Christophe uns zum Tölt auf, was unsere Pferde sich gerne gefallen ließen. Eine Strecke dieses ersten Tages war dann auch ein besonderes Erlebnis – ein leicht abfallender Sandweg im Wald, den Christophe, wie er uns erklärte, gerne nutzt, um die Jungpferde einzutölten. Und so kam es, dass die Pferde sich auf dem scheinbar unendlichen weichen Waldboden im Tölt freilaufen konnten und ihr eigenes Tempo und Takt fanden. Jochens Stute jedoch ging es insgesamt nicht gut, sodass er auf eine Fortsetzung verzichtete und nach Hause ritt, um sein Pferd zu schonen. Die übrigen beendeten den ersten Ritt nach einer weiteren Schleife im Wald, die uns zu Christophes Gestüt zurückführte. Hier hatte Christine einen Imbiss für uns vorbereitet, den wir auf der sonnenbeschienenen Terrasse vor dem Haus einnahmen: Salat, Wurst, Käse, Brot und Baguette, Schinken und Würstchen, Senf, Eier und ein herrlicher Rose. Nachdem wir es uns hatten schmecken lassen, setzte eine schläfrige Müdigkeit ein, jedoch stand noch ein bisschen Kultur auf dem Programm: Wir besichtigten an diesem Nachmittag noch das „Haus der Burgen“, „Maison des Chateaux-forts“, dies ist ein Museum in Obersteinbach, dass sich mit der mittelalterlichen  Geschichte und den Burgdenkmälern des Elsass befasst. Christine, die dem Verein vorsteht, erklärte uns – natürlich auf Deutsch oder besser gesagt:  in elsässischen Dialekt - das liebevoll eingerichtete Museum, das die Zeit der Ritter und Burgen zum Leben erweckt und auf interessante Weise veranschaulicht. Nachdem wir dann eine nach der anderen geduscht und uns ein wenig ausgeruht hatten, gingen wir zum Abendessen, das sich als weiterer kulinarischer Höhepunkt herausstellen sollte. Wir hatten ja bereits den gesamten Tag über nicht gehungert!!! Wir hatten aber ganz vergessen, dass wir ja hier in Frankreich sind (Christophe und Christine sprachen mit uns das wunderschöne Elsässisch) und Ulrike stellte nach den ersten beiden Gängen – wir waren alle schon papp satt – überrascht fest: „Es geht ja noch weiter!“ Und tatsächlich kam nach der Vorspeise (eine leckere Kleinigkeit!), die Hauptspeise (Fleisch mit Gemüse – köstlich!) und der Nachtisch (Kuchen oder Eis mit einer köstlichen Kleinigkeit  oder … ?)  auch noch der Käse, verschiedene Sorten – versteht sich! Und alles in allem reichlich und sehr, sehr lecker. Bereits nach diesem ersten Tag deutete sich an, was sich dann nach vier Tagen bewahrheiten sollte: Unsere Pferde verloren einige Pfunde, während wir … naja, das Gesamtgewicht von Reiter und Pferd stimmte dann wieder!

Freitag, 06. Mai 2016

Unser morgendliches Ritual: Vor dem Frühstück laufen wir gegen 7.30 Uhr durch die Wiesen zum Hof zum Füttern. Heute ist es selbst so früh schon angenehm warm und der Himmel ist wieder strahlend blau. Die Ponies freuen sich über ihr Heu und wir laufen zum Kaffee und dem herrlichen Frühstück zurück in die Auberge. Uli und Gitta sind sich da sehr einig: Das Frühstück mit den tollen Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und den großen Kaffee-Schalen ist klasse! Leben wie Gott in Frankreich passt hier ganz gut. So gestärkt geht es wieder rüber zu den Ponies. Der erste Stress hat sich eigentlich gelegt, allerdings schaut Jochens Stute immer noch nicht wirklich glücklich drein.
Heute steht ein ausführlicher Ritt an – und Ducky, der lustige Border Collie mit einer Vorliebe für Wasser (deshalb der Name) muss zuhause bei Christine bleiben. Das passt ihr gar nicht.
Wir freuen uns wieder über die herrlich langen sandigen Wege und beginnen den Ritt mit einem ziemlich flotten Tölt. Leider ist das Tempo und die Anforderung für Freykja wirklich zu hoch, also tritt er an einer Kreuzung den Heimweg an. Schade, aber vernünftig. Wir reiten weiter durch den quietschgrünen Wald mit strahlend blauem Himmel im Hintergrund bis zur Burgruine Wasigenstein. Die Ruine ragt wie ein riesiger Zeigefinger aus dem Wald. In der Felswand erkennen wir die alten Leitungssysteme, die uns Christine gestern im Museum von Obersteinbach erklärt hatte. Und auch den Spezial-Anbindering in Stein entdecken wir. Wirklich sehr praktisch, in optimaler Anbindehöhe und direkt daneben eine Mulde in der Felswand, könnte man zum Füttern bestens nehmen. Ein paar Meter weiter ist der Brunnen. Es wäre also eigentlich ein optimaler Pferde-Fütter-Wasch-Platz. Bald stehen unsere vier Schwarzbraunen in Riehe vor der Felswand und dösen, Lolo studiert das Hinweisschild (bestimmt kann sie Französisch) und die Stute von Christophe – ein Profi – schläft unter einem Baum. Wir genießen die Sonnen auf den Felsen, erkunden die Burg und plaudern mit Wanderern. Berge begegnen sich nicht, wohl aber Menschen. Mit dem alten persischen Sprichwort bringt Christophe die Momente gut auf den Punkt. 
Nach einer ausgedehnten Rast auf dem Wasigenstein geht es weiter durch den Wald, teils mit tollen Blicken über die Elsässer Berge. Über einige Schleifen führt Christophe uns zu einem Rastplatz, an dem Christine mit Jochen und Emma ein perfektes Picknick aufgebaut hat: Buchenzwiege und Blumen dekorieren die Tische, ein Buffet mit Wurst, Käse, Salten und Brot, ein paar Flaschen Wein, Wasser stehen im Schatten bereit. Herrlich! Uli packt zum Nachtisch noch Hanuta aus und Martin hat eine Flasche Averna zur Stärkung dabei. Es ist inzwischen sehr warm geworden und die Ponies stehen etwas entfernt im schattigen Wald – aber ohne Gras. Das finden sie nach der Stehpause am Wasigenstein wohl nicht mehr so toll, jedenfalls versucht sich zunächst Draumur angebunden zu wälzen, dann macht sich Nökkvi auf Wanderschaft, Lolo hängt ihr Bein in den Strick und auch Toni will lieber auf die Wiese kommen. Trotzdem machen wir eine herrliche Rast.
Beim Abritt erscheint Martin ein klein wenig verlangsamt – ob das am Averna lag oder am Hanuta? Jedenfalls geht es zunächst über eine große offene Fläche mit Obstbäumen, die Wiese wurde allerdings kräftig von Wildschweinen zerwühlt. Nach ein paar schönen Sandwegen und einigen Rennstrecken kommen wir nach ca. 6 Stunden wieder auf den Hof. Der Glücksgefühl-Pegel ist ziemlich hoch – ca. 95% meint Martin, keine Ahnung, wofür er sich noch 5% Steigerungsmöglichkeit offen lassen will.
Nach diesem Ritt freuen sich die Pferde über ein ausgiebiges Sandbad und wir Reiter uns über die Dusche. Sehr entspannt lassen wir den Tag beim Grillen im Hof von Christine und Christophe ausklingen.


Es waren dabei:

Mira mit Hlaka
Tanja mit Lolo
Gitta mit Draumur
Arn mit Nökkvi
Jochen mit Freykja
Martin mit Ividja
Uli mit Toni
Christophe mit ???

Samstag, 07. Mai 2016

Der Samstag stellte uns vor eine nicht geplante Herausforderung: Christine und Christophe waren zur Taufe des kleinen Martin eingeladen und Christophe musste für die Feier auch noch Brot backen. Deshalb war geplant, dass die Rittführung an diesem Tag von Jochen übernommen werden sollte. Weil seine Stute Freykja sich bereits am Donnerstag total verausgabt hatte, war das leider nicht möglich. Auch Martin konnte mit seinem Navi nicht einspringen, da seine Karte exakt an der deutschen Grenze zu Ende war. Scheiß Technik.  Für uns hieß das, dass einer von uns diesen Job übernehmen musste. Glücklicherweise ist Gitta sehr bewandert im traditionellen Wanderreiten nach Karte und nahm diese Herausforderung gerne an.
Vor dem Abritt plante sie zusammen mit Christophe die Route für den Tag und sie zeichneten sie in der Karte ein. Natürlich blieben einige Dinge etwas unklar. Wir machten uns um 10.30 Uhr frohgemut auf den Weg zur Burg Fleckenstein. Schon nach kurzer Zeit ergab sich die erste schwierige Situation. Wir konnten in der Karte nicht erkennen, in welche Richtung wir nun weiter reiten sollten. Hier half uns Arns Gespür als Pfadfinderin: Nach kurzem Erkunden von Karte und Umgebung fand sie den richtigen  Weg. Wir ritten weiter zügig voran. Das Wetter war, wie die Tage zuvor, einfach traumhaft: blauer, wolkenloser Himmel und ein laues Lüftchen. Martin war nach dem  vorherigen, langen Abend etwas dehydriert (er hatte Brand) und verlangte schon bald nach einer Trinkpause. Glücklicherweise hatten wir heute genug Wasser mitgenommen, was Lolo transportieren musste, da Martin seine Satteltasche vergessen hatte.
Nach einem sehr steilen Anstieg, bei dem wir die Pferde streckenweise geführt haben, sind wir um 12.30 Uhr bei der Burgruine Fleckenstein angekommen. Hier gab es zum Glück außer der Ruine auch eine Restauration und einen etwas wackeligen Anbindebalken. Die Pferde waren allerdings ausreichend müde, und haben trotz Touristen- und Insektenplage bald geruht. Wir lagen im Gras, bei Limo, Bier, Kuchen, Pommes und Würstchen. Mittlerweile war es doch recht warm geworden.
Nach ausreichender Pause machten wir uns auf den Rückweg. Zunächst zu Fuß steil bergab an den Fuß des Burgberges.  Auf dem Weg zu unserer nächsten Rast, dem Col de Hichtenbach, gab es eine Herausforderung der besonderen Art:  Um viele Höhenmeter zu vermeiden, beschritten wir einen sehr schmalen, ca. 50 cm  breiten, von ARn gefundenen Pfad, auf dem wir die Pferde nur führen konnten. Auf der einen Seite ging es steil bergauf, auf der anderen gähnte die endlose Tiefe. Unsere Ponies meisterten dies grandios. Irgendwann mussten wir den Pfad allerdings doch verlassen, wieder ins Tal hinab, und anschließend auf einem breiten, sehr trostlosen Schotterweg in praller Sonne wieder hinauf. Die Ponies taten uns leid. Um 15.30 Uhr erreichten wir die Höhe. Hier gönnten wir den Pferden eine längere Pause. Wir waren erstaunt, wie gut sie den steilen Anstieg in glühender Hitze weggesteckt hatten, alle waren doch noch sehr fit.
Von jetzt an ging es fast nur noch bergab, Richtung Obersteinbach, zum Teil aber ziemlich steil. Kurz vor zu Hause gab es eine letzte Herausforderung: Wir mussten einen Bach von ca. 2 m Breite überqueren. Auf der anderen Seite des Baches stand bereits eine Gruppe von Großpferden mit Reitern, die in die andere Richtung über den Bach mussten. Wir ließen ihnen den Vortritt, was uns eine weitere kurze Pause bescherte. Für unsere Ponies war der Bach natürlich (fast) kein Thema, alle kamen unverletzt hinüber. Gegen 17.00 Uhr kamen wir sonnengebräunt, müde und glücklich wieder in Obersteinbach an.
Bei Christine und Christophe trafen wir – natürlich bei einer Flasche Wein – den Papst des Wanderreitens, Herbert Fischer aus Montabaur. Wir hörten viele interessante Dinge  über das Wanderreiten aus der kommerziellen Perspektive.
Nachdem wir unsere Pferde versorgt hatten, kehrten wir in das „Alsace-Village“ zurück, um nach einer erfrischenden Dusche zum letzten Mal das ausgezeichnete Menü mit mehreren Gängen zu goutieren. Nach vielen Stunden Essen und zwei Flaschen Wein fielen wir um 23.00 Uhr alle ins Bett.

Sonntag, 08. Mai 2016

Heimfahrt von Uli + Martin:
Als wir am Sonntag morgen unser Auto starteten, um vom Hotel zum Stall zu fahren, leuchteten 2 böse Kontrolllampen auf. Martins spontane Diagnose: Marderbiss. Wir ließen uns die Laune nicht verderben und hatten noch einen wunderbaren, einstündigen von Christophe geführten Ritt, an dem auch Jochen mit einer entspannten Freykja teilgenommen hat.
Unser Auto, das nur noch im Notbetrieb fuhr und den Hänger nicht ziehen konnte, musste irgendwie wieder fit gemacht werden. Nach einigen Anrufen war klar, dass wir das Auto über die Grenze nach Deutschland bringen mussten. Wir ließen die Pferde bei C+C, verabschiedeten uns von unseren Mitreitern und fuhren nach Oberotterbach (am Deutschen Weintor). Nach vielen Telefonaten mit Skoda stellte sich heraus, dass das Auto nach Baden-Baden gebracht werden musste. Bis der Abschleppwagen kam, hatten wir noch viel Zeit und wanderten einige Male durch Oberotterbach (anscheinend eines der trostlosesten Käffer der Welt). Durch Zufall gerieten wir in den Hof eines Holzschnitzers. Es stellte sich heraus, dass der Schnitzer, Herr Dahl, der Schöpfer des Waldgeisterpfades ist. Diesen Pfad hatten wir auf unserem ersten Wanderritt in der Pfalz vor vielen Jahren durchritten. Eigentlich wollten wir nur eine Schnitzerei erwerben, hatten aber kein Bargeld. Wir erzählten Herrn Dahl von unserem Unglück mit dem Auto. Er erklärte sich spontan bereit, uns erst zur Bank und anschließend zu einem Restaurant zu fahren, in dem wir auf den Abschleppdienst warten konnten. So kamen wir zu einem hölzernen Waldgeist und zu einer Weinschorle, die uns das Warten erträglich machte.
Danach klappte alles wie am Schnürchen: um 16.30 Uhr stand das Abschleppauto da und fuhr uns mit 160 km/h über die Autobahn nach Baden-Baden. Martins Marderbissdiagnose erwies sich als richtig und das Auto war in 10 min repariert. Dann fuhren wir zurück nach Obersteinbach, wir luden unsere Ponies ein und fuhren auf einer inzwischen staufreien Autobahn ohne weitere Vorkommnisse nach Hause. Staffel erreichen wir um ca. 22.00 Uhr.

Es waren dabei:

Mira mit Hlaka
Tanja mit Lolo
Gitta mit Draumur
Arn mit Nökkvi
Jochen mit Freykja
Martin mit Ividja
Uli mit Toni
Christophe mit ???