Himmelfahrtsritt 2009

Mittwoch, 20. Mai 2009

In verschiedenen Orten im Raum Darmstadt-Dieburg begannen nachmittags emsige Vorbereitungen für die Anreise der Reiter und Pferde nach Mudau. Leider gab es dabei eine Komplikation:

Udos Pferd ließ sich nicht davon überzeugen, dass so ein Wanderritt eine spaßige Angelegenheit ist und wollte partout zu Hause bleiben. Leider mussten wir deshalb auch auf Udo, der liebend gerne mit geritten wäre, verzichten. Schade!

Auch unsere Pia machte beim Einsteigen Theater: Martin holte die schläfrige Pia von der Weide und sie trottete ihm langsam hinterher. Als sie plötzlich bemerkte, dass sie schon im Hänger stand, sprang sie rückwärts wieder raus und zog Martin den Strick durch die Hand. Sie ließ sich dann aber doch überreden mitzukommen.

Für alle anderen verlief die Anreise problemlos. Wir kamen als erste in Mudau an und fanden 4 perfekt abgesteckte Paddocks mit saftigem Gras vor. Das Wetter war traumhaft, für unsere Ponies allerdings fast schon zu warm - Pia hinterließ im Hänger eine große Schweißpfütze.

Gegen 19.00 Uhr waren alle Reiter und Pferde in Mudau eingetroffen, die Pferde auf die Paddocks und die Menschen in Stockbetten, Zelt und Bus verteilt. Unsere Gastgeber auf der Wiesentalranch, Sabine und Silvio, zeigten sich als sehr unkomplizierte, nette Menschen. Silvio brachte nach kurzen Startschwierigkeiten den Grill mit Hilfe eines Kompressors in Gang, so dass wir kurze Zeit später gute Steaks und Würstchen essen konnten.

Für den Abritt am nächsten Tag hielten sich bereit:

  • Rotraud mit Mária und Rika
  • Bernhard mit Kátina
  • Anna mit Lifsgladur
  • Rebekka mit Sofia
  • Eva mit Rubin
  • Rainer mit Magnus
  • Insa mit Laena
  • Jana mit Falladis
  • Martin mit Pi(pilott)ia
  • Uli mit Todd

Uli

Donnerstag, 21. Mai 2009:
Der Tag an dem die Brötchen flogen und zum Glück sonst alle sitzen blieben...

Der Hahn der Wiesentalranch in Mudau (im Neckar- Odenwaldkreis) krähte bereits um 4 Uhr morgens. Los ging es dann nach einem „heimeligen“ Frühstück( wegen der enge des Wohnzimmers warfen wir uns die Brötchen zu) um halb elf...

....das erste Stück führten wir alle durch die kleine Innenstadt von Mudau. Gleich darauf landeten wir im unwegsamen Waldgebiet mit sumpfigem Boden. Doch dank Martins „Navigationsgerät für Wege die es gar nicht gibt“ gelangten wir immer wieder auf die richtigen Fährte. Nach den ersten 90 Minuten hatte jeder sein Tempo gefunden und bald gab es schon die erste Pause am Waldrand. Die folgende Strecke waren gut ausgebaute Wege durch Wald und weite Felder- welche auch zur ersten schönen Töltstrecke einluden- top!

Die Gaststätte„Zum Reisenbacher Grund“ war nach 2/3 der Strecke Anlauf einer längeren Pause. Wir saßen in brütender Hitze, aßen Eis oder Salat und tranken dazu ein kühles Bierchen, während die Pferde am Klettergerüst angebunden vor sich hin dösten.

Die folgenden, immer fortlaufenden Serpentinen im Wald machten einige Höhenmeter wett. Es begann leicht zu tröpfeln, aber die kleine Abkühlung tat gut. Nach ca. 24 Kilometer Strecke dieses ersten Tages erreichten wir, nach ein bis zwei weiteren Stunden unser Tagesziel Waldbrunn/ Strümpfelbrunn. Die großzügigen Weiden des Kastanienhofes boten sichtlich Erholung. Auch wir fühlten uns in dem schönen, renoviertem Fachwerkhof auf Anhieb wohl und bezogen die Zimmer. Eine Stärkung fanden wir in der Pizzeria des Ortes und stärkten uns mit Pizza, Steaks und Co. Das Bier, der Rose und der Averna taten den Rest und wir sanken gegen 23 Uhr todmüde in unsere Betten....

Insa

Freitag, 22. Mai 2009

Als wir Freitagmorgen um halb acht vom Wecker geweckt wurden, konnten wir feststellen dass es in der Nacht ein Gewitter gegeben hatte und nun das Gras ganz nass und nebelig war. Da wir uns in diesem Hof selbst versorgen mussten, hatten sich Ina und Jana bereiterklärt Brötchen und den Belag dazu zu kaufen. So hatten wir wenig später ein superleckeres Frühstück.

Um viertel vor elf waren wir endlich so weit, dass wir losreiten konnten. Vor uns lag ein schlammiger bergabführender Weg und um es den Pferden zu erleichtern, stiegen wir ab und führten sie hinunter. Zu diesem Zeitpunkt fing es leicht an zu tröpfeln, und als wir eine Pause machten, fing es richtig heftig an zu regnen. Doch zu unserem Glück befanden wir uns im Wald und so konnten wir uns unterstellen, wurden demnach fast nicht nass. Nach dem kurzen fünfzehn minütigen Regenschauer konnten wir also trockenen Fußes weiterreiten. Weil die Sonne wieder herauskam dampften die Pferden und alles andere nasse auch.

Nach einer längeren Weile unterwegs ritten wir in eine Kuhweide ohne Kühe mit der Absicht am anderen Ende wieder herauszukommen. Doch wir standen an einem Zaun ohne Durchgang und mussten uns wieder umdrehen. Aus diesem Grund, es gab ja keinen anderen Weg, mussten wir eine steile Wiese hoch reiten. Aber als wir oben angelangt waren, schauten wir zurück und hatten eine wunderschöne Sicht über die Umgebung.

Später an einem Sportplatz waren die Spielfelder am Rand mit Hüttchen abgetrennt und damit es den Pferden auch nicht langweilig wurde, liefen wir Slalom um die Hüttchen herum. Das machte allen viel Spaß. So ca. um zwanzig nach drei gelangten wie an einen Biergarten der „Zur Linde“ hieß. Beim Essen waren Camembert und Schnitzel am beliebtesten und um fünf waren wir schon wieder unterwegs. Dabei haben uns viele Leute erstaunte Blicke zugeworfen und uns fröhlich zugewinkt. Gegen sieben Uhr waren wir endlich an unserem ersten Hof angekommen, versorgten die Pferde, wir duschten uns, haben auch noch gegessen und die Erwachsenen ließen den Tag mit einem Feierabendbier ausklingen.

Anna und Rebekka

Samstag, 23.Mai, 2009:
an dem es erst fettarme Milch und dann eine Durstrevolte gab, über die sich am Ende auch der Vorstand gefreut hat

Eigentlich schade, dass wir Strümpfelbrunn schon wieder verlassen mussten. Die Ferienwohnungen bei auf dem liebevoll renovierten Hof der Familie Krämer waren gemütlich, das Gras in den Paddocks saftig (nicht das ich es probiert hätte...). Und dann forderten Uli und Martin auch noch einen Aufbruch um punkt zehn Uhr. Das hat so manchen Trödler unter Druck gesetzt. Aber es gab ja auch einen guten Grund für den plötzlich so straffen Zeitplan, den wir allerdings beim Abritt noch nicht kannten.

Nach einem üppigen Frühstück unter strahlend blauem Himmel im Hof der Krämers und einer reibungslosen Aufräumaktion konnten wir unsere Pferde für den dritten Tag startklar machen. Am Morgen war noch bei keinem der typische ‚Tag-3-Durchhänger’ zu spüren. Alle ließen sich ganz artig in einen Halbkreis stellen, damit die Krämers ein Abschieds-Gruppenfoto von den 10 Pferden samt Reitern machen konnten.

Das erste Stück Weg führte uns an der Straße entlang nach Waldbrunn – Mülben. Uli und Martin hatten für uns hier auf der größten Stutenmilchfarm Deutschlands, dem Kurgestüt Hoher Odenwald, einen Termin vereinbart. Leider hatten die Stuten an diesem Morgen bereits den Melkgang hinter sich, aber Kostproben standen bereit: Stutenmilch pur, Stutenmilch sauer vergoren... Das überließ ich dann lieber den Fohlen – oder meinen experimentierfreudigeren Mitreitern. Die Beschreibungen der fettarmen Stutenmilch waren vielfältig. Von ‚schmeckt wie Wasser’ über ‚irgendwie grasig’ (leuchtet ein) bis ‚nussig’. Zwar gab es kein Fohlenfleisch zu kaufen, aber Martin ließ es sich nicht nehmen, wenigstens ein Päckchen tiefgefrorene Stutenmilch in die Packtaschen zu verstauen, um sie auf Lottes Rücken bei sanftem Schütteln bis nach Mudau zu transportieren.

Nach der Stutenmilchfarm führte der Weg durch bewaldetes Gebiet, was angesichts der Temperaturen für uns alle sehr angenehm war. Lotte lief wie immer flott vorne weg und wir anderen konnten uns entspannen in der Gewissheit, dass ein satellitengesteuerter Wanderritt echte Vorteile bietet, wenn es um die Orientierung geht. Moosig war es im Wald um uns herum, , manchmal auch sumpfig. Ich stellte immer wieder fest, das Martins Navi anscheinend auch die popeligsten Pfade kannte, die dem Bewuchs nach zu urteilen schon lange vor uns niemand mehr betreten oder beritten hatte. Und mit etwas Fantasie fühlte ich mich teilweise wie in Schweden, umgeben von kühlenden Wäldern und einem Meer aus Blaubeerpflänzchen. Man träumt sich wohl so einiges zusammen, wenn man bei konstanter Schrittgeschwindigkeit zusammen mit dem Pferd in einen meditativen Dämmerzustand gleitet.

Als zu unserer Linken im Wald ein gut zugänglicher Bachlauf in Sicht kam beschlossen wir, unseren Pferden einen Spaß in Form eines kühlenden Hufbades zu gönnen. Rubin entschloss sich allerdings, dem Wasser nicht zu trauen und überquerte es mit einem großen Sprung, während die anderen Pferde mal zügig, mal entspannt genüsslich durch das kalte Wasser liefen.

Unsere erste große Pause verbrachten wir auf einer großen Kreuzung im Wald. Die übliche Runde Knoppers und Hanuta wurde in Umlauf gebracht. Lecker, auch noch am dritten Tag! Während wir also die Vesper aus den Packtaschen kramten machten sich unsere Pferde auf die Suche nach essbarem Grün. Da das hier eher spärlich gesät war wollte keine Ruhe einkehren und wir beschlossen, zum Teil etwas entnervt dank der unermüdlichen Hoffnung unserer Pferde, doch noch auf ein grasiges Schlaraffenland zu treffen, die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

Uli und Martin hatten im Vorfeld bereits bei der einzigen Wirtschaft im nächsten Ort angefragt, ob sie ein paar nette, harmlose aber durstige Reiter versorgen würde. Leider war uns eine Hochzeitsgesellschaft zuvor gekommen. Der Brunnen vor der Wirtschaft war trotzdem unser nächster Halt. Wenn wir schon nichts zu trinken bekommen sollten, dann doch wenigstens die Pferde. Aber wie sollten wir das aushalten: Da schien die Sonne erbarmungslos auf uns arme, müde und durstige Reiter herab, das kalte Wasser plätscherte den Pferden um die Nüstern – und wir hatten allenfalls noch einen lauwarmen Rest abgestandener Apfelschorle in den Taschen. Ach ja, und natürlich auch noch angetaute Stutenmilch... Da erschien die Wirtin in der Tür um uns mitzuteilen, dass am Ende des Dorfes ein Bistro sei, wo wir sicher was zu trinken bekommen würden. Ganz nebenbei erwähnte sie, dass das Bistro zwar erst in einer Stunde die Türen öffnen würde, die Wirtin aber meistens früher da sei.

Während wir also dort vor verschlossenen Türen warteten wurde uns langsam klar, dass der Verweis auf dieses Bistro wohl eher ein Versuch war, uns und unsere Pferde von dem Brunnen weg zu locken. Langsam machte sich Unmut breit. Einige von uns wollten auf jeden Fall im Schatten warten, bis das Bistro öffnen würde. Allein der Gedanke an ein (endlich mal richtig kaltes) Radler... Und dann gab es auch ein paar Reiter, die lieber weiterziehen wollte. Rainer versuchte alles, um uns zum Aufbruch zu überreden. Aber nicht einmal die Tatsache, dass wir gegen den Vorstandsvorsitzenden revoltieren mussten, brachte die durstigen unter uns von unserer Hoffnung auf ein kaltes Getränk ab. Zum Glück ergab sich Rainer dann doch auch seinem Schicksal – und wir wurden kurz darauf belohnt: mit Radler, Bier, Cola und gigantisch leckerem Erdbeer – und Rhabarberkuchen.

Gut gestärkt ging’s auf die letzte Etappe des Tages. In Mudau mussten wir die Pferde mit Heu versorgen, weil die Paddocks nicht mehr genug hergaben. Für uns Reiter wartete auf der Wiesentalranch wieder ein Grillabend mit reichlich Auswahl an Salaten und Fleisch und sogar vegetarischem Grillzeug. Für mich bedeutete das: zum dritten Mal innerhalb von drei Tagen gebackene Camemberts. Mein Bedarf ist erstmal gedeckt.

Ich hatte mein Nachtlager direkt neben den Paddocks bei unseren Pferden aufgeschlagen. Ganz überraschend kam auch Steffen vorbei, der sich nach Insa und Laena gesehnt hatte, und brachte ein weiteres Zelt mit. Als Insa, Steffen und ich am Abend noch mal nach den Pferden sahen lagen sie alle vollkommen erledigt der Länge nach in den Paddocks. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, noch am Abend im Zelt meinen Bericht zu schreiben, aber ich glaube es dauerte nicht mehr als zehn Sekunden, bis ich im Tiefschlaf versunken war.

Jana

Sonntag, 24.05.2009: Fünfter Tag

Die letzte Nacht hatten wir wieder in Mudau verbracht. Bernhard und Rotraud schliefen im Bus, Jana im Zelt, Insa hatte auch Glück da ihr Freund sie mit Zelt überrascht hatte und sie dann auch im Freien bei den Pferden übernachten konnten und der Rest schlief im „Katzenzimmer“, jedenfalls dem Geruch nach.

Eva und Rainer wurden an diesem Morgen leider nach Hause gerufen, weil es ihrem Hund gar nicht gut ging und so konnten sie weder mit frühstücken noch mit reiten. Wir anderen frühstückten ausgiebig und machten uns dann auf einen Abschiedsritt.
Ziel war „Annies Ranch“ bei der man mit Pferd gut ankommen könnte. Die Reitzeit sollte so ca. eine Stunde betragen, es wurde dann etwas mehr daraus, Martin und sein Navi waren sich nicht immer einig. Unser Weg führte über verwunschene Pfade mit Moos, Tümpeln, Gesträusch usw., so ganz nach meinem Geschmack. Einzig die ziemlich hungrigen Blutsauger trübten etwas die Märchenstimmung.

Bei Annies Ranch angekommen fanden wir für die Pferde drei große Koppeln vor und für uns einen gemütlichen Sitzplatz vor der Wirtschaft. Wir genossen Radler, Kochkäse Äppelwoi etc.und hatten gar nicht so recht Lust wieder heim zu reiten.- Jana und Insa bestellten ihren Pferdeabholer für eine Stunde später als geplant, aber irgendwann mußten wir dann trotzdem wieder aufbrechen. Auf direktem Weg ging es dann zu unserem Standort in Mudau. Die Pferde durften noch mal kurz in den Paddock, es wurde gepackt und verladen. Und wieder hat ein schöner Himmelfahrtsritt sein Ende genommen. Alle Teilnehmer sind wohlbehalten nach Hause gekommen.

Mit dabei waren: Martin mit Pia, Uli mit Todt, Rainer mit Magnus, Eva mit Rubin, Rebekka mit Lifsgladur, Anna (Kampfmann) mit Sophia, Jana mit Fjalladis, Insa mit Laena, Bernhard mit Katina, Rotraud mit Maria und auf vier Pfoten Rika.

Rotraud