Ritt in den Mai

Bericht vom 11. Wanderritt in den sonnendurchfluteten(!) Steigerwald

Ankunft am Mittwoch in Sierhofstätten auf dem Mulihof bei Familie Schmitt. Nach der langen Fahrt schmeckt das Fassbier auf der Terrasse besonders lecker! Unsere Pferde sind in Gastboxen bestens untergebracht, zusätzlich haben wir

Wiesenpaddocks zur Verfügung. Und die Reiter wohnen in einer neuen, großen Ferienwohnung mit mehreren Zimmern, Küche, Aufenthaltsraum, 2 Bädern und jeder Menge Platz. Alles neu und ganz nett eingerichtet. Abends sind wir zum Grillen eingeladen und erfreuen uns an den Tieren des Mulihofs: Pferde, Mulis, Ziegen, Hasen, Hahn und Hennen, Pfau und Pfauin. Also Die Voraussetzungen sind optimal, das Abenteuer kann beginnen!

Es reiten mit: Martin Cornelius mit Pia, Uli Peters mit Todd, Barbara Becker mit Snörp, Verena Becker mit Stjarni, Antje Leser mit Vinda, Rotraud Haußmann mit Maria, Bernhard Brenner mit Lifsgladur, Rainer Philipp mit Magnus, Eva Philipp mit Rubin.

Donnerstag 1. Mai 2008 (1. Tag)

Heute hat es endlich mal geklappt: schon um kurz nach halb zehn saßen wir auf unseren Isis, die schon ungeduldig mit den Hufen scharrten und auf den „Startschuss“ warteten. Wir hatten traumhaftes Wetter, genau wie wir es uns alle gewünscht und wohl auch verdient hatten! Unsere Ponys stapften durch die herrliche Landschaft, weite sanfthügelige gelbe Wiesen (die waren natürlich grün aber voll mit gelbem Löwenzahn) Blauer Himmel, weiße Wölkchen, Sonnenschein, zufrieden schnaubende Pferde …. „Herz was willst du mehr?“

Die erste Anstrengung ließ nicht lange auf sich warten: ein ziemlich steiler Anstieg durch verwilderte Gärten führte uns zur Burgruine Scharfeneck. ( 12. JH.). Dort gab es die erste Vesper- und Pinkelpause. Nun ging es an den Abstieg, den wir natürlich „ Horsemanship- mäßig“ neben unseren Pferden laufend bewältigten. Auf diesem Himmelfahrtsritt waren wir wohl Auf- und Absteigemeister!!!

Um die Mittagszeit kamen wir an unserem Ziel in Rosenbirkach an, dem Gasthaus „ Zum grünen Baum“. Am Stallgebäude waren lauter Ringe in der Mauer angebracht, wo unsere Ponys geparkt wurden, eins neben dem anderen. Nachdem wir alle gestärkt waren (beinahe hätten wir sogar Wurzeln geschlagen!) ging. Es wieder heimwärts, die Ponys freuten sich….
Unterwegs, wir machten gerade einen kleinen Stopp, kamen ein paar Regentropfen vom Himmel, aber die waren lachhaft!! So was kann u n s doch nicht erschüttern!

Wir kamen an einer Weide voller Schafe vorbei, die uns eine regelrechte Symphonie vorblökten, tief, hoch, tief, mittel, mittel, tief,…… Weiter ging es auf romantischen, manchmal auch abenteuerlichen Pfaden, einmal mussten wir einen kleinen Bach (es war wirklich nur ein Rinnsal!) überqueren, fast alle unsere Vierbeiner meinten, sie seien Kaninchen und hüpften drüber.
Glücklich und zufrieden kamen wir nachmittags am Mulihof an, stärkten uns mit mammutmäßigen Waffeln, Kaffe u. a. Von dort aus konnten wir unsere Isis beobachten, die sich auf das saftige Gras stürzten.

Später kamen sie in ihre Paddocks und wurden für die Nacht „ bettfein“ gemacht. Wir haben uns zusammen mit zwei Kutschfahrer, die mit ihren beiden Haflingern auch dort Station machten, in ein Lokal aufgemacht, wo es angeblich den besten Karpfen gibt (na ja, wer´s braucht…). Todmüde fielen wir in unsere Betten „auf Kammer“, schön war es!

Verena + Babs

Freitag, 2. Mai 2008 (2. Tag)

An diesem Morgen mussten wir lange auf unsere Reiter warten. Karola, Freifrau des Mulihofs und kreative Innenarchitektin präsentierte unseren Zweibeinern noch die Ferienwohnung „Weltreise“, ein Kunstwerk, das man auf ihrer Website im Internet bestaunen kann. Globetrotter kommen dort voll auf ihre Kosten, denn vom Schlafen im Planwagen oder Zugabteil des Orientexpress über Nächte frei nach „Jenseits von Afrika“ bishin zu heißen Nächten im Haremspalast ist alles möglich. Sogar ein einsames Waldzimmer für Schnarcher (sägen...) und nicht zuletzt eine gelungene Fränkische Küche aus Uromas Zeiten sind vorhanden. Krönender Abschluss bildet das kleine Kino mit authentischen Kinostühlen...
Schließlich fand unser einheitliches Scharren aber doch noch Gehör. Abritt 10.30 und Martin hatte die Karte. Uns allen war klar: dieser Ausritt würde nicht langweilig werden...

Durch Wiesen und Weinberge ging es bis nach Castell, wo wir für ein mittleres Verkehrschaos sorgten. Das Kartelesen geht eben am besten an strategisch wichtigen Knotenpunkten, sprich Kreuzungen – wen kümmern schon Autos? Nachdem unsere Trittfestigkeit am hiesigen Kopfsteinpflaster erprobt wurde – Tölt geht immer, stimmt's Martin? - verließen wir uns ganz auf den Sonnenstand und ritten beherzt weiter – gutgemeinte Routenvorschläge eines Ortskundigen in den Wind schlagend.

Wieder Weinberge – wozu zum Thor pflanzen die Zweibeiner dieses knorrige Zeugs, das nicht mal schmeckt? Und das Gras hatte von der Spritzerei ein ganz eigenes Aroma. Mittlerweile war es uns richtig heiß geworden in unseren Winterklamotten – also da seid ihr Menschen dann doch klar im Vorteil – aber das Weingut Behringer rückte bereits in greifbare Nähe. Nur noch ein kleines Stück durch ein schattiges Waldstück und dann...

Was für ein Alptraum: langorhige, stinkende Vierbeiner mit völlig unkultivierter Ausdrucksweise glotzen uns entgegen. Und da wollten die Rast machen?? Im Ernst: man parkte uns im Angesicht dieser Wesen und beschloss zu rasten. Eine Zumutung! Zu allem Überfluss begann es dann auch noch zu regnen.

Nach dem für uns eher unerfreulichen Aufenthalt begann der Offroad-Teil des Tages. Pia und Martin strebten unerschütterlich voran – wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass nunmehr Luftlinie geritten wurde. Krönendes Highlight bildete die Beckerböschung – ein etwa 48,5 Grad steiler Hang querwaldein, den es zu bezwingen galt. Jeder tat dies auf seine Weise – Vinda und Snörp bevorzugten die reiterlose Variante.

Nach einem kurzen Besuch bei den gut bewachten Veldes ging es über Schotterwege mitten hinein ins Nirwana. Dreimal kamen wir an derselben Hochsitzmanufaktur vorbei – nun wir Isis sind ja geduldig. Aber hätten die uns mal gefragt, wir hätten gleich gewußt wo's langgeht. Zum Glück hat Rainer korrigierend eingegriffen und zu einem Linksschwenk geraten – so konnten wir die Jägersitze glücklich hinter uns lassen und dem Rautenweg folgen.

In flottem Tölt ging es dann den Wiesenpaddocks des Mulihofs entgegen, wo wir gegen 18.00 Uhr eintrafen und von Bernd erwartet wurden. Dieser begleitete unsere Zweibeiner zur Weinprobe im nahegelegenen Abtswind, von wo unsere Menschen nach etlichen Stunden lärmend und in heiterer Stimmung mit vollen Autos (und Köpfen) zurückkehrten.

Vinda und Antje

Samstag, 03 Mai 2008 (3.Tag)

Um 7:15 standen wir auf und versorgten die Pferde. Danach ging es zum leckeren Frühstücksbüfett. Trotz vorabendlicher Weinprobe erschienen alle Reiter. Martin war wie eigentlich jeden Morgen der Letzte, Kommentar Uli : er pflegt sich!
Um 10:20 also immer noch ziemlich früh ritten wir los.Heute führte Rotraud nach kurzer Wegerläuterung unseres
Hofchefs. Wir wollten nach Ziegenbach zum Mittagessen Richtung Birklingen. In Stierhofstetten links am Aussiedlerhof vorbei
war schon nicht ganz so einfach. Aber der Weg war eindeutig schön und die kleinen braunen Zicklein so goldig, dass mann auch zweimal an ihnen vorbeireiten konnte. Gut, dann doch am Aussiedlerhof vorbei Richtung uralter Linde, "die
sieht man schon von Weitem", kommt wahrscheinlich drauf an von welcher Richtung man kommt. Natürlich hatten wir auch eine Wegmarkierung, aber da tat sich eine Wiesenwegabkürzung auf, dachten wir. Etwas verwirrt machten wir dann
erst einmal eine Pinkelpause am Waldrand und orientierten uns neu. Und mit neuen Ideen am Waldrand entlang fanden wir den alten Baum und auch die blaue Raute unsere jetzt zu befolgende Wegmarkierung. Dieser Route mussten wir durch den Wald Richtung Birklingen folgen, bis kurz vor Ziegenbach der Weg links abbiegen sollte. Endlich waren die Wege nicht mehr geschottert, aber leider durch vorhergehende Waldarbeiten sehr ausgefahren, so dass eine schnellere Gangart nicht möglich war. Teilweise waren die Löcher auch noch ziemlich matschig, wer seinem Pferd vertraute war gut beraten, wer meinte seinem Pferd den Weg vorzuschreiben landete im Sumpf.(Hoppe,hoppe Reiter!)

Kurz nach halb eins kamen wir in der blauen Traube in Ziegenbach an. Die Pferde wurden wieder an Ringen im Hof angebunden und der Hofsohn hatte wohl schon mal etwas über Gelassenheitsprüfungen gehört. Jedenfalls lief er, wahrscheinlich angesichts der Gäste in der Sonne , einen großen Sonnenschirm aufklappend zwischen den Pferden hindurch.
Bernhard bat ihn den Schirm dann doch erst bei den Menschen zu öffnen, die Pferde hatten ja schließlich auch einmal Pause. Nach einem vorzüglichen Essen,. sattelten wir unsere Rösser und es ging Richtung Oberscheinfeld. Obwohl wir die Wegmarkierungen nicht immer fanden trafen wir wohl doch die richtige Richtung und es ging dann von Oberscheinfeld an Krettenbach vorbei zurück nach Stierhofstetten. Dort gab es Weide für die Pferde und Kaffee und Kuchen für die Reiter.

Rotraud und Bernhard mussten leider schon am Samstag fahren, am nächsten Tag war eine Konfirmation angesagt. Also Packen und Pferde in den Hänger und ab Richtung Hessen. Schade! Ein Trost : Die Autobahn war schön leer.

Rotraud und Bernhard

Die verbliebenen Reiter freuten sich schon auf`s Abendessen auf dem Mulihof. Karola machte Jungschweinbraten mit selbstgemachten fränkischen Klößen und Salat, lecker! Dazu pichelten wir eine Flasche Müller-Thurgau nach der anderen … und auch der Scheinfelder Magenlikör war nicht zu verachten… Der Abend war gelaufen und leicht beschwingt schafften wir dann sogar noch den Eintrag ins Gästebuch.

Sonntag , 4.Mai 08 (4. Tag)

Beim Frühstück am großen Tisch kamen wir mit zwei weiteren Reitgästen ins Gespräch, eine von ihnen erzählte begeistert, dass sie vor kurzem auch Isländerreiten ausprobiert hätte und zwar im Vogelsberg bei Familie Bertl. Klar kennen wir die, da waren wir letztes Jahr an Himmelfahrt!

Dann machten wir unsere Ponies fertig für den Abschlußritt. Verena war nicht ganz fit und wollte lieber aussetzen (oder wollte sie lieber mit Matthias Traktor fahren?). Babs beschloss, Stjarni als Handpferd mitzunehmen und so ritten wir zunächst nach Krettenbach. Dahinter ging`s links ab in die Wiesen, später wieder auf die Höhe und dann horizontal im Dauertölt bis zur bekannten 1000-jährigen Eiche. Pinkelpause! (Wo waren eigentlich diesmal die Hanuta???). Gerade machte sich allgemeine Entspannung breit, als Snörp urplötzlich die Pause für beendet erklärte und entschied, dass sie jetzt nach Hause gehen würde – egal, ob mit oder ohne Babs… Diese hing mit der einen Hand am Zügel der davoneilenden Snörp, mit der anderen an der Führkette von Stjarni, der eigentlich noch etwas bleiben und von dem köstlichen Löwenzahn naschen wollte. Nur Antjes beherztes Eingreifen konnte Babs aus ihrer misslichen Lage retten. Den Heimweg kannten wir jetzt schon, und so liessen wir uns von einem weichen Wiesenweg noch zu einem kleinen Galopp verleiten. Diesmal ergriff Stjarni die Initiative: wenn es schon keinen Löwenzahn mehr gab, dann wartete doch vielleicht zu Hause noch etwas Gras… Mit 2 Sprüngen war er der Snörp eine Pferdelänge voraus und Babs Arme wurden lang und länger. Natürlich konnte auch diese Situation gemeistert werden, und alle kamen wohlbehalten auf dem Mulihof an.

Nach einem letzten Kaffee und Kuchen auf der Terrasse hieß es nun Abschied nehmen, was an einem so schönen Tag besonders schwer fiel. Das Pferde-Verladen gelang mehr oder weniger souverän, und dann ging`s Richtung Heimat. 1 ½ Std nach Abfahrt hatten wir immerhin Würzburg-Mitte erreicht, aber der Stau war noch nicht zu Ende…

Fazit: Wir hatten auf dem diesjährigen HiFa-Ritt keinen Ausfall zu verzeichnen, alle Neu-Einsteiger (Pferde und Reiter) haben sich bestens bewährt, und besonders Verena verdient ein besonderes Lob – es war nicht immer einfach, was wir ihr zumuteten…
Die Tatsache, dass wir dieses Mal keinen ortskundigen Führer hatten führte dazu, dass einer von uns Karte lesen musste. Toll war, dass es hierfür jeden Tag einen anderen Freiwilligen gab! In fremder Gegend Karte lesen mit 8 Reitern im Gefolge kann natürlich etwas stressig sein, Verritte und Umwege (oder auch gar keine Wege mehr…) bleiben da natürlich nicht aus. Aber trotzdem klappte es gut, wir sind überall angekommen!
Unser Quartier, der Mulihof, hat die in ihn gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt und sei jedem empfohlen, der mal mit seinem Pferd Urlaub machen will. Die Pferde waren in Gastboxen und Wiesenpaddocks super untergebracht und unsere Ferienwohnung bot viel Platz und Komfort für unsere Gruppe. Unsere Gastgeber, Karola und Matthias Schmitt, waren immer gut gelaunt und liessen keine Bitte unerfüllt. Täglich standen sie uns bei der Routenplanung zur Seite und versorgten uns mit vielen Tips bezüglich der Reitstrecke. Aber auch sonst waren sie immer für uns da und wir sagen ihnen dafür ein herzliches Dankeschön!
Der Steigerwald entschädigte uns für alles, was wir 2005 erlebt haben. Schönes Wetter mit viel Sonne, dabei nicht zu heiß und fast kein Regen! Und da Himmelfahrt dieses Jahr auf den 1.Mai fiel, ritten wir in einer wunderschön blühenden Landschaft.

Eva

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