Himmelfahrtsritt der Islandpferdefreunde 2011


Mittwoch, der 01.06.2011
Nachdem ich die meisten Umleitungen und Baustellen der Gegend begutachtet hatte, kam ich gerade noch rechtzeitig auf den Spatzenhof, um mich „auf offener Straße“ in meine Reitklamotten zu werfen und in den Sattel von Fjörgyn zu springen. Und dann ging der Reitausflug auch schon los. Stunden später, nach dem ersten Kennenlernen, alles schläft und Rika schnarcht leise unter dem Tisch, da dachte ich, „das war für den Anfang doch schon ganz gut“.

Donnerstag, der 02.06.2011 Himmelfahrt
Beim Frühstück jubelte ich, es gab warme Milch, frisch aus der Zitze der Ziege. Mit neun Pferden starteten wir wenig später vom Spatzenhof. Dabei waren Guide Eva auf Ares, Rotraud auf Máría, Bernhard auf Hríma, Anna auf Kátína, Andrea auf Soffía, Anna K. auf Bjalla, Rebekka auf Gásta (tags drauf auf Næsti), Katharina auf Peli und ich folgte auf Fjörgyn. Auf dem Weg zur Rainsmühle in Oberzell bewältigten wir einige Höhenmeter, bergab schon mal zu Fuß. Für die Pferde gab es zur Belohnung eine Plantschpause in der Sinn. Bjalla mag das Sinnwasser nicht, sie säuft lieber das Brunnenwasser zu Hause. Unterwegs ging uns Bernhard um ein Haar verlustig, als er einen riesigen Mähdrescher erspähte. Zum Mittag in der Mühle gab es allerlei Nudeln, Forellen, Schnitzel, Lamm und „Seniorenteller“, Salat mit und ohne Zwiebeln. Oder waren es Tomaten?? Der Rückweg gestaltete sich etwas schwierig, Frauen und Landkarten, das kann nicht gut gehen. Doch es führen viele Wege zum Spatzenhof. Den geplanten Weg haben wir vermutlich nicht gefunden, war aber auch egal, denn Landschaft und Wetter wären auf dem anderen Weg bestimmt nicht besser gewesen. Ohne Ausfälle erreichten wir unser Ziel, es folgte ein abendliches Toffifee-Gelage mit viel Gekicher.

Freitag, der 03.06.2011
Den Tag begannen wir mit Müsli, Ziegenmilch und dem Gebabbel von Mona, der Tochter des Hauses. Heute starteten nur acht Pferde, Anna K. konnte nicht bleiben. Bei mäßiger Hitze reitet man am besten durch schattigen Wald oder eine rasante Galopprunde über herrliche Wiesenwege. An aussichtsreicher Stelle stoppten wir für ein Gruppenphoto, doch Eva hörte unser Rufen nicht und ritt davon. Hoch zu Ross oder auch einige zu Fuß kamen wir nach Altengronau. Auf der idyllischen Dorfstraße reihten sich uralte Häuschen, an-, um- oder auch über(ge)baut, aneinander. In der Löwengasse backt der Bäcker Wolf. Hinter der alten Brücke gab es wieder eine Photosession, d.h. diesmal habe ich Photos gemacht und alle anderen waren zum Füße Kühlen und Wasser fassen im Sinnwasser. Kátína mutig allen voran. Der Wirt von Mc Elm´s Entennest, Preisträger bei der Freestyle-Bartweltmeisterschaft, „unterhielt“ uns mit „Schöngeistigem“ (Übersetzung: nerviger Labersack mit Sprüchen aus dem blauen Bock der 60er Jahre). Immerhin fütterte er unsere Hunde Amos und Frodo mit Würstchen. Der Rückweg wurde dann abenteuerlich, es ging mit tänzelnden Hufen durch ein langes Viadukt, durch eine nasse Furt, im Galopp einen Steilhang hinauf. Dann musste ein Baum beseitigt werden, den die ortsansässigen Biber des Nachts über den Weg gelegt hatten. Nach einer letzten Galoppstrecke gab es endlich Wasser für alle, Pferde, Hunde und Menschen. „Animator“ Andrea bespaßte Kühe für ein Photo. Biberunkundige wurden von Rotraud auf dem Pfad belehrt, habe ich leider verpasst. Aber der Biber war sowieso nicht zu Hause. Bei den Jungpferden des Hofes durfte sich jeder von uns das schönste aussuchen. Schade, nicht genug „Kleingeld“ dabei. Das abendliche Flashback bei Bier, Wein und Süßigkeiten erbrachte viel Gewitzel über den witzigen Entenwirt, den nur Katharinas Rücken tat entzücken.

Samstag, der 04.06.2011
Der Wettermacher versprach heute Gewitter für Südhessen und Sonnenschein satt für das Sinntal. Ärmellos, mit einer Gastreiterin, querten wir Wiesen und Felder, bei zunehmender Hitze kühlende Wälder und Täler bei aufkommenden Lüftchen. Bei Sannerz passierten wir die Landstraße und erreichten in Vollmerz eine romantische Furt und Pferdetränke, ein beliebtes Photomotiv. Ein für mich unsichtbarer Pfad über Stock und Stein führte halsbrecherisch bergauf zum Bahnhof. Rebekkas Pferd verlor hier eine Hufbekleidung. Zur Mittagsrast wurden wir im Dornröschen-Schloß Ramholz, wo der Herr „von“ alleine lebt, von Rapunzel-Mona in der alten Orangerie erwartet. Auf der Terrasse des Schlossgarten Cafés ließen wir uns verwöhnen. Es ging uns sehr gut. Wir gönnten uns sogar Schlumpf- und Maja-Eisbecher. Vereinzelte Wolken machten die Hitze erträglich. Walter (unser Hausherr) chauffierte in der Zwischenzeit den schuhlosen Næsti nach Hause und brachte Gásta mit. So, nun beginnt der abenteuerliche Teil dieses Reittages. Schon gleich nach dem Aufsatteln mussten wir uns unterstellen. Da wurden noch Witze gemacht und vorhandene Regenjacken aus- und wieder eingepackt. Das waren nur ein paar Tropfen. Der erste Regenguss erwischte uns im fürstlichen Wald, den wir zweimal umrundeten. Vielleicht die hiesige Art der „Wäscheschleuder“, wer weiß. Getrocknet und wieder auf dem richtigen Weg passierten wir eine Unterführung und überquerten gerade die Landstraße, als Petrus den großen Reißverschluss im Himmel öffnete und den restlichen Hagel vom letzten Jahr hinausfegte. Eva (ohne Helm) war „not amused“. Wir jagten bergauf und versuchten uns irgendwie unterzustellen, belächelt von den Schafen, die aus ihrem trockenen Unterstand herausblökten und einer Gänsefamilie im hohen Gras. Frodo drückte sich unter drei kleine Zypressen. Weiter ging´s. Viel Trockenes gab es an uns nicht mehr zu retten, so überspielten wir die nächsten Regengüsse mit Witzeleien über den gebuchten Adventure Trip. Dem Lotuseffekt ähnlich perlten die Regentropfen an unseren sonnengeschützten Armen ab. Blitze zuckten in der Ferne, der Donner rollte drohend über uns. Sehr laut! Zwischen zwei Schauern durfte sich Katharina unter Bernhards Regenjacke wärmen. Plötzlich war das Gewitter direkt über uns. Alle wollten nur noch heim. Zentaurengleich im Regen vereint mit unseren Pferden stapften wir dem Hof entgegen. Andrea und ich als Brillenträger im Blindflug hinterher. Vor den letzten Wassermassen erreichten wir den geschützten Sattelplatz. Verfrorene Reiter standen vor der Dusche Schlange. Überall hingen nasse Kleidungsstücke. Kaffee, Tee und Kekse weckten unsere Lebensgeister, Kresse- und Radieschensprossen stärkten uns für die abendliche Talkrunde.

Sonntag, der 05.06.2011
Für unsere letzte Runde um den Spatzenhof lachte am Morgen wieder die Sonne. Vorbei an der Bibersiedlung, besuchten wir die Junghengste, welche uns neugierig beäugten. Zur Pizza versammelten wir uns zum letzten Mal am langen Esstisch.

Von einem ereignisreichen Himmelfahrtsritt, der viel Spaß gemacht hat, grüsst euch, Heike.