Wer rastet, der rostet...

Reiten und Yoga – 10. - 12. September 2010

Reitkurs mit Katja Kellner, Yogalehrerin und Islandpferdereiterin, und Stefanie Zeidler, IPZV-Trainerin B


Reitkurs einmal anders. Sonnengruß im Tölt? Lotussitz auf dem Islandpferd? Was genau auf uns zu kommt, wussten wir nicht, als sich neun Kursteilnehmer am Freitag Nachmittag zum Wochenendkurs „Reiten und Yoga“ in Alsbach-Hähnlein auf der Anlage der Familie Zeidler einfanden.

Als erstes durften wir einzeln in allen Gängen vorreiten, Katja und Steffi machten sich Notizen und hielten uns auf Video fest. Damit verging der Freitag und so waren wir immer noch nicht schlauer, als wir uns Samstag morgens noch etwas skeptisch in Sportklamotten, mit Decke, Kissen, warmen Socken aber ohne Pferd zum dreistündigen Yogaunterricht trafen. Jedoch bereits nach den ersten Dehn- und Bewegungsübungen wurde klar, worum es bei diesem Kurs ging: Wenn der Reiter verspannt und verkürzt ist, angespannt atmet oder nicht frei ist in seinen Bewegungen, wie soll unser Pferd, das so sensibel auf jede Körperreaktion des Reiters reagiert, frei und locker laufen, sich selbst dehnen, loslassen oder anlehnen?

Jeder einzelne von uns konnte sehr schnell erspüren, welche Muskeln, Bänder und Sehnen im Alltag eher selten aktiviert werden, wo die persönlichen Schwachstellen liegen und man ganz schön eingerostet ist. Es ging darum, bewusst hin zu spüren, zu atmen und zu fühlen, wie sich eine gesunde Körperhaltung anfühlt. Einen besonderen Schwerpunkt legte Katja dabei auf die Beweglichkeit der Beckenbodenmuskulatur und des Beckens, denn dieses muss beim Reiten möglichst frei und locker um alle drei Achsen gleichzeitig rotieren.

Nach der Mittagspause erfolgte dann die Videoanalyse vom Vortag und nachdem wir nun wussten, worauf es zu achten galt, wurde uns schnell sehr ersichtlich, wo beim Reiten unsere persönlichen Verspannungen zu sehen sind und wie diese sich auf das Pferd auswirken.

Dann ging es endlich wieder aufs Pferd und Steffi gestaltete den Reitunterricht in Zweiergruppen so, dass wir speziell auf die Problemzonen jedes einzelnen Reiters eingehen konnten. Und siehe da: Bereits jetzt war eine deutliche Verbesserung bei Pferd und Reiter zu sehen und zu spüren. Rückenschmerzen und Fehlhaltungen beim Reiter waren deutlich geringer und Verspannungen beim Pferd und Taktverschiebungen wurden verbessert. Es war auch für die Zuschauer erkennbar, das Pferd und Reiter freier und lockerer in ihren Bewegungen waren. Ein sehr gutes Gefühl!

Sonntag morgens haben wir noch einmal drei Stunden Yoga gemacht und unsere Dehn- und Bewegungsübungen vom Vortag wiederholt. Erstaunlicherweise hatte kein Teilnehmer starken oder unangenehmen Muskelkater, sondern ein angenehmes Körpergefühl mit dem Bewusstsein für tiefe Muskelgruppen, die endliche einmal wieder aktiviert worden waren. Die positive Körpererfahrung und vor allem die prompte Reaktion der Pferde und die schlagartige Veränderung beim Reiten haben uns allen Lust auf Bewegung und Beweglichkeit gemacht. Teilnehmer mit jahrelangen Rückenschmerzen haben eine Erleichterung erfahren und eine schmerzfreie Aussicht darauf bekommen, was mit etwas Übung und Anleitung möglich sein könnte.

Es hat sich wirklich gelohnt, sich auf diesen Reitkurs der etwas anderen Art einzulassen. Es hat sehr viel Spaß gemacht und war wirklich eine bereichernde Erfahrung.

Ich bin wohl nicht die Einzige, die sich am Montag gleich eine Yogamatte bestellt hat.


www.yoga-fuer-reiter.de




Anja Vomrath, 15.9.2010